Historisches Sachsen
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Beschreibung
Der Name der Landschaft Lößnitz ist abgeleitet vom slawischen Wort für Wald und bezeichnet die Fluren um Radebeul, begrenzt durch den Fiedlergrund und den Ortsteil Zitzschewig.
Seit über 700 Jahren wird im Gebiet des Oberen Elbtals Weinanbau betrieben. Damit zählt dieses Weinanbaugebiet zu den nördlichsten in Europa. Urkundliche Erwähnungen von 1271 belegen den Anbau von Reben für die Lößnitz. Die Weingutsanlage der Hoflößnitz gründete Markgraf Wilhelm I. von Meißen am 8. Mai 1401 durch den Erwerb der burggräflich-dohnaischen Weinberge. Sie entwickelte sich zum Zentrum der Verwaltung und Bewirtschaftung der kurfürstlich-sächsischen Weinberge und blieb bis 1889 Eigentum des Hauses Wettin. Den Weinlandbesitz konzentrierten die Wettiner im Lauf der Geschichte immer mehr um die Hoflößnitz bis zu seiner maximalen Ausdehnung im Jahr 1734. Diese Bemühungen, die insbesondere auf die Aneignung von Qualitätslagen gerichtet waren, fanden unter August dem Starken einen Abschluss. Die wirtschaftliche Verwaltung des kurfürstlichen Weinlandes oblag dem Bergverwalter, der ab 1615 seinen Amtssitz in der Hoflößnitz hatte. Vor nahezu 400 Jahren wurden zum Zweck der Wärmespeicherung und Entwässerung Trockenmauern in die Weinhänge gebaut. Die so entstandene Terrassierung bestimmt heute das Landschaftsbild der Lößnitzhänge.
Die Hoflößnitz diente den Kurfürsten und ihren Gästen als Stätte von Weinfestlichkeiten und der Repräsentation. So verwundert es nicht, dass sie der Hoflößnitz regelmäßig ihre Aufmerksamkeit schenkten.
Kurfürst Johann Georg I. veranlasste 1650 auf dem Gelände seines Weingutes den Bau eines Lusthauses im Stil der Renaissance durch Ezechiel Eckhardt. Der Baumeister des Berg- und Lusthauses entstammt einer angesehenen Freiberger Künstlerfamilie, die in der zweiten Hälfte des 16. und bis in das 17. Jahrhundert hinein bekannte Steinmetze und Bildhauer hervorbrachte. Eckardt wurde in der Bildhauer- und Steinmetzwerkstatt seines Vaters Hieronymus Eckardt d.J. ausgebildet. 1623 zog er nach Dresden, wo er das Bürgerrecht erhielt und unter Kurfürst Johann Georg I. zum Landbaumeister ernannt wurde. Er gestaltete neben dem Berg- und Lustschloss in Radebeul auch das Schloss Klippenstein und den Audienzsaal der Ortenburg in Bautzen.
Das kurfürstliche Weingebirgshaus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Walmdach und massivem Wendelstein an der Nordseite, zeigt die typische Raumanordnung sächsischer Herrenhäuser des 16. Jahrhunderts. Äußerlich bescheiden sind der Festsaal und vier Nebenräume im Obergeschoss alle reich verziert. Der Festsaal gibt in seinem Bildprogramm das politische Selbstverständnis des Kurfürsten wieder. Ursprünglich stellten auf den Simsen stehende Fürstenporträts die Elite des Reiches und Kursachsens dar. Unterhalb des Simses befinden sich 16 Frauenfiguren als "Fürstentugenden". Hinzu kommen 32 Sinnbilder zu den Themen Wein und hervorragende Charakterzüge eines Regenten. Die 80 Bilder brasilianischer Phantasievögel an der Decke schuf der Holländer Albert van den Eyckhout.
Die fünf Erdgeschossräume sind als Wirtschaftsräume und zum "Tafelhalten" konzipiert. Tafelstube und Marschallstube waren dementsprechend mit Mobiliar ausgestattet. An ihren Wänden befanden sich Hirsch- und Rehköpfe. Zehrgarten, Anrichte- und Vorratsraum sowie das Küchengewölbe nahmen Schränke mit Koch- und Speisegeschirr sowie Trinkgefäße auf. Die kreuzgratgewölbten Decken trugen das Obergeschoss, welches durch den achteckigen Treppenturm erreichbar war.
1843 erhielt die Hoflößnitz den Status eines Staatsweingutes und blieb es bis zum vorläufigen Niedergang des Weinbaus in der Lößnitz, verursacht u.a. durch die Reblaus im Jahr 1889.
Eine Wiederaufnahme der weinbaulichen Tradition erfolgte im Jahre 1911 mit dem Aufbau einer Rebschule und der Errichtung einer Weinbauschule, in der seit 1916 Landwirtschaftsrat Carl Pfeiffer tätig war. Er förderte wesentlich die Wiederbelebung des Weinanbaus in Sachsen, 1935 mit der Gründung des Stadtweingutes Radebeul und 1938 mit der Gründungsversammlung der Winzergenossenschaft Meißen.
1912 übernahm der neugegründete Hoflößnitzverein die Anlage mit dem Lust- und Berghaus und veranlasste die Wiederherstellung der Gebäude im ursprünglichen Zustand. Die Anfänge des Museums, das sich bis heute der Kultur des Weinanbaus im Einklang mit der Natur verpflichtet fühlt, gehen in das Jahr 1924 zurück. Die ständige Ausstellung des Weingutmuseums im Erdgeschoss möchte die Geschichte des Weinanbaus dieser Region erlebbar machen. Im Obergeschoss befinden sich historische, im Original erhaltene Innenräume des 17. Jahrhunderts mit ihrer reichen Ausmalung der Wandtäfelungen und der Deckenfelder. Der Festsaal beeindruckt mit den 80 Darstellungen brasilianischer Vögel.
Die Gründungen der Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz und der Weingut- und Schoppenstube Hoflößnitz GmbH setzen seit 1998 die weinkulturelle und weinbauliche Tradition fort.

Elbradweg
Am Elbufer entlang zieht sich von Dresden nach Riesa ein Radweg, vorbei am Weingut Hoflößnitz und den Schlössern Wackerbarth, Seußlitz sowie Promnitz. Lohnenswert sind auch kurze Abstecher zu den Schlössern Gauernitz, Scharfenberg, Siebeneichen, Hirschstein und die Albrechtsburg auf der anderen Elbseite sowie Proschwitz im Hinterland.

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Bildergalerie
Lust- und Berghaus
Pressenhaus
Festsaal im Berg- und Lusthaus
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Stand: 27.11.2010