Diese Seite drucken![]() | ||||||||||||||||||
|
Wermsdorf / Hubertusburg Beschreibung Gäbe es eine Rangliste der größten sächsischen Schlossanlagen - die Anlage des Jagdschlosses Hubertusburg stünde an vorderster Stelle. Das Jagdschloss zwischen Leipzig und Oschatz beherrscht das Ortsbild von Wermsdorf. Die wildreichen Wälder regten 1608 Kurfürst Christian II. an, auf dem Gelände eines alten Rittergutes das erste Jagdschloss bauen zu lassen. Da sich das höfische Leben in Dresden immer mehr entwickelte, waren die Räumlichkeiten im Schloss bald nicht mehr ausreichend. "Zur besserer Bequemlichkeit Unseres Königlichen Prinzen" ließ August der Starke 1721-24 eine neue, größere Anlage durch den Architekten Johann Christoph Naumann konzipieren und schenkte diese seinem Sohn, dem Kronprinzen.
Jagdschloss Hubertusburg Der königliche Prinz Friedrich August II. beauftragte später, als er Kurfürst von Sachsen und König von Polen geworden war, den bekannten Oberlandesbaumeister Johann Christoph Knöffel dieses ehemals dreiflügelige Jagdschloss zu einer vierflügeligen Residenz im Stile des Spätbarocks und des Rokokos auszubauen. Kurfürst Friedrich August II. wollte während seiner Jagdaufenthalte den gesamten Hof bei sich haben. Dabei diente das Schloss nicht nur als Jagdsitz, sondern glich einer zweiten Residenz, in der Feste gefeiert und Opernaufführungen gelauscht wurde.Doch die Freude währte nicht lange. Während des Siebenjährigen Krieges plünderten preußische Soldaten auf Befehl des Preußenkönigs Friedrich II. die Inneneinrichtung mit Ausnahme der Schlosskapelle als Vergeltungsmaßnahme für die teilweise Verwüstung der Charlottenburg in Berlin - das Lieblingsschloss des Preußenkönigs - durch sächsische Truppenteile. Den Vergeltungsbefehl Friedrichs II. führten die preußischen Soldaten mit großer Gründlichkeit aus, so dass die Hubertusburg fast zur Ruine geworden wäre. Reicher figürlicher und ornamentaler Schmuck zeichnet nur noch die Kapelle aus, darunter das 400 m² große Deckengemälde "Bekehrung des Hubertus" von Johann Baptist Grone und der Hauptaltar von Lorenzo Mattielli.
Plastik vor dem Schloss Das Jagdschloss ging auch in die europäische Geschichte ein: 1763 fanden hier die sechswöchigen Friedensverhandlungen zwischen Sachsen, Preußen und Österreich statt, in deren Ergebnis der Siebenjährige Krieg endete. Das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete auch das Ende des sogenannten "Augusteischen Zeitalters", denn schon wenige Monate nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages starb Kurfürst Friedrich August II.Für das Schloss begann damit eine wechselvolle Geschichte. Zunächst zog hier eine Steingutfabrik ein; später wohnten Pensionäre in dem Bau. Das Schloss diente auch als Militärmagazin, Lazarett und Strafanstalt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gründete man die "Heil- und Pflegeanstalt" und nach 1945 ein allgemeines Krankenhaus, welches sich nach 1990 auf psychiatrische und neurologische Heilverfahren spezialisierte. Das nach dem Schutzpatron der Jagd Sankt Hubertus benannte Schloss Hubertusburg stellt eine der reifsten Leistungen der sächsischen barocken Baukunst dar. Dabei ist es das größte und ehemals prächtigste Jagdschloss Europas. Betritt man die Anlage vom Parkplatz her, wird der Blick durch die kurze Kastanienallee unmittelbar auf den Mittelteil des Schlosses mit dem hohen Dachreiter gelenkt. Links und rechts öffnen zwei Rundflügel den Platz vor dem Schloss. Der Besucher wird überwältig durch die Größe und Weitläufigkeit des Areals. Rechter Hand führt ein Durchgang zum "Schmiedehof", der seinen Namen in der Blütezeit des Schlosses bekam. Im 18. Jahrhundert brannten hier beidseitig die Schmiedefeuer. Beim weiteren Gang durch eine rundbogige Einfahrt gelangt der Besucher zum 400 m entfernten alten Jagdschloss in Wermsdorf. Das prächtige Jagdschloss Hubertusburg hat eine ca. 100 m lange dreistöckige Hauptfront und wurde als symmetrische Dreiflügelanlage erbaut. Es besaß einmal eine wunderbare Gartenanlage, die aber nicht mehr im Original erhalten geblieben ist. In der heutigen Parkanlage vor der Hauptfront des Schlosses befinden sich vier Plastiken, die die vier Jahreszeiten darstellen sollen. Im Laufe der Jahre wurde das Schloss mehrmals umgebaut oder erweitert, bis schließlich der heutige Prachtbau entstand.
Schlosskapelle Der Vierflügelbau mit halbrundem Mittelteil hat im Erdgeschoss eine ovale Eingangshalle und im Obergeschoss den Hubertussaal. Linker Hand nimmt die katholische Schlosskappelle den gesamten linken Hauptflügel mit einer Höhe von drei Stockwerken ein. Von der Innenausstattung des Schlosses ist - bis auf die Schlosskapelle - nichts mehr erhalten. Die Plünderer haben 1761 während des Siebenjährigen Krieges ganze Arbeit geleistet. Dennoch lohnt ein Besuch des Schlosses. Wenn der Besucher die Kapelle mit ihren reichen Stuckaturen und glanzvollen Ornamenten betritt, ahnt er, welche Pracht einst das gesamte Schloss ausgezeichnet hat.Neben der sehenswerten Schlosskapelle informiert auch ein Museum über die Baugeschichte und die Jagd. Es ist zu hoffen, dass das Jagdschloss Hubertusburg auch für die Zukunft erhalten bleibt. Erste umfangreiche Renovierungsarbeiten sind ein vielversprechender Anfang. Touristische Informationen
| ||||||||||||||||||
|