Historisches Sachsen
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Beschreibung
Wer vor einigen Jahren das Schloss Lichtenwalde besuchte, stand vor einer stark geschädigten Anlage, die nur erahnen ließ, welche Pracht dieses Anwesen einst ausstrahlte. Ende der 90er Jahre, als alle Privatisierungsversuche scheiterten, entschied sich der Freistaat Sachsen schließlich, die Immobilie zu behalten und zu restaurieren. Inzwischen ist die Sanierung weitestgehend abgeschlossen und Park und Schloss Lichtenwalde sind der Öffentlichkeit zugänglich geworden.
Prachtvoll gestaltet sich der Hof mit seinen neu gepflanzten Linden und dem großen Springbrunnen in der Mitte. Der Hof wird gerahmt von den drei Flügeln des Schlosses, der Kapelle und dem an der Spitze stehenden Teehaus.
Die Geschichte des Schlosses ist lang. Obwohl erst Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt, gehört Lichtenwalde zu den Rodungssiedlungen des Pleißenlandes, die bereits vor 1200 entstanden. Im 13. Jahrhundert existierte eine Burg an den Steilhängen der Zschopau. Sie diente als Herrensitz des Ritters Heidenreich von Lichtenwalde.
1336 kam es zur Verpfändung der Burg vom Markgrafen an die Burggrafen von Meißen. Nur wenige Jahre später erhielt Apel Vitzthum die Burg als Lehen. Lange konnte er sich jedoch nicht an seinem Anwesen erfreuen, denn wegen der Verletzung von Pflichten gegenüber seinem markgräflichen Lehnsherrn verlor er seinen Besitz an die Herren von Harras, die die Burg bis 1561 besaßen. Der Zerstörung der Burg im sächsischen Bruderkrieg folgte der rasche Wiederaufbau ab 1454.
Von der ehemaligen Burganlage sind nur noch geringe Reste erhalten. Die umfangreichsten mittelalterlichen Bauteile besitzt die Schlosskapelle, die im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt. Das einschiffige Langhaus ist kreuzrippengewölbt. Der Chor hat eine Flachdecke. Die Ausstattung (Altar und Taufstein) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt.
Neuere Untersuchungen des Landesamtes für Archäologie bestätigten den Beginn des Burgenbaus im 13. Jahrhundert. Unter dem Hofpflaster ergruben die Archäologen den Stumpf des runden Bergfrieds und verfolgten die mittelalterliche Ringmauer. Darüber hinaus sichern Keramikfunde, deren älteste Stücke auf die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert datiert sind, den Standort einer Mittelalterburg ab.
Wie bei vielen anderen Burgen auch, ranken sich Sagen um die Geschichte Lichtenwaldes. Dass die damalige Zeit sehr fehdenreich war, verdeutlicht die Geschichte von "Harras, dem kühnen Springer", der im Mai des Jahres 1499 von seinem feindlichen Nachbarn bei einem Ausritt überfallen wurde und fliehen musste. Die einzige Möglichkeit, seinen Verfolgern zu entkommen, war ein Sprung von einem 60 Meter hohen Felsen in die Zschopau. Unter dem Staunen seiner Verfolger erreichte er schwimmend das rettende Ufer. Noch heute gehört ein Spaziergang an die Stelle des Sprungs zu einer Besichtigung des Schlosses Lichtenwalde dazu.
Nach dem Aussterben der Herren von Harras bildete die Burg den Mittelpunkt eines kurfürstlichen Amtes und kam dann durch Tausch gegen Pillnitz an die Familie von Bünau, die sie wiederum an den Grafen von Flemming veräußerte. 1722 erwarb Reichsgraf Christoph Heinrich von Watzdorf für 100.000 Gulden den Lichtenwalder Besitz.
Mit dem Erwerb setzte ein neuer Abschnitt in der Geschichte Lichtenwaldes ein. Die baufällige Burg musste bald einem stattlichen Schloss mit drei Geschossen, Mansarddach, Portalrisalit und Dachreiter weichen.
Ein Brand im Jahre 1905 führte zur etwas veränderten Neuerrichtung der Dreiflügelanlage im Stil des Spätbarocks nach Plänen des Dresdner Hofarchitekten Gustav Frölich. Vom ursprünglichen Schloss sind die Wandverkleidung des Chinesischen Zimmers erhalten, während das eindrucksvolle Treppenhaus mit den zwei geschwungenen Treppen auf Frölich zurückgeht.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Schloss zunächst Heilstätte für Lungenkranke, später Internat und bis 1994 Akademie. Heute beherbergt das Schloss Lichtenwalde verschiedene Museen und eine Gaststätte.
Neben dem Schloss ließ Graf Friedrich Carl von Watzdorf in den Jahren 1730 bis 1737 einen der schönsten sächsischen Barockgärten anlegen. Die besondere topografische Spornlage erlaubte keinen engen Bezug zum Schloss und zwang zur Gestaltung eines Terrassengartens am Zschopauhang. Darüber hinaus geht der besondere Reiz auch von seiner Aufteilung in einzelne Heckengärten aus. Somit entstand in jener Zeit eine ganz individuelle Lösung, die durch die Isoliertheit der einzelnen Parterreflächen voneinander schon auf die Tendenzen im Rokokogarten verweist.
Der Barockgarten Lichtenwalde ist fast originalgetreu erhalten und ein Kleinod der Gartenkunst aus dem 18. Jahrhundert. An vielen Stellen bieten sich Durchblicke in das Zschopautal und die weiträumige Landschaft.
Schon seit 1839 ist der Park für die Besucher geöffnet und durch zahlreiche zeitgenössische Reisebeschreibungen über die Grenzen des Freistaates hinaus bekannt geworden. Berühmtheit erlangte der Garten durch seine Wasserspiele mit über 400 Springstrahlen, die noch heute mit dem Wasser der Zschopau gespeist werden.
Neben dem Rundgang durch den Park ist besonders ein Besuch des 60 m tiefer liegenden Tales reizvoll. Eine Erweiterung zum Landschaftspark erfuhr der Garten um 1800 durch die Gestaltung von Talpartien und Zschopauhängen. Die bewaldeten Hänge stehen unter Naturschutz, da sich in ihnen viele seltene Vögel und Pflanzenarten erhalten haben. Vom Frühling bis zum Herbst ist der Besuch des Parks ein besonderes Erlebnis. Die Parkanlage vereint den repräsentativen französischen Barockgarten mit dem intimeren, auf den Wechsel der Erlebnisbereiche hin konzipierten Park des Rokokos. In den Sommermonaten finden regelmäßig Konzerte statt.
Zum historischen Gebäudeensemble in Lichtenwalde gehören weiterhin ein Rittergut, ein Brauhaus, eine Orangerie, das Kellerhaus sowie alte Fachwerkhäuser.
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Bildergalerie
Schlosshof der Dreiflügelanlage
Schloss Lichtenwalde
Treppenhaus
Sandsteinfigur im Park
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Stand: 01.11.2009