Historisches Sachsen
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Beschreibung
Die kleine und unscheinbare Ortschaft Mechelgrün liegt an der Bundesstraße 169 auf halben Wege zwischen Plauen und Falkenstein. Im Zentrum des Ortes vermittelt eine stark beschädigte Burganlage noch in bescheidenem Maße einen Eindruck von ihrer einstigen Wehrhaftigkeit. Beim Anblick dieser idyllisch gelegenen Ruinen an einem kleinen Teich könnte durchaus ein romantisches Gefühl aufkommen. Doch der Eindruck verfliegt, wenn man weiß, dass diese Anlage noch bis 1945 völlig intakt war.
Früher umgab die gesamte Anlage ein Wassergraben, der zum Wirtschaftshof hin bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschüttet wurde. Auch von den einst an den vier Gebäudeecken stehenden mächtigen Flankierungstürmen ist nur noch einer teilweise erhalten. Die letzten Rest des Wasserschlosses fallen in sich zusammen. Und dort, wo einst die Wirtschaftshöfe der Rittergüter oberen und unteren Teils die Bewohner mit allem Notwendigen versorgten, liegen nur noch Schutt und Trümmer.
Die Geschichte der Wasserburg Mechelgrün ist typisch für die vielen kleinen Rittersitze, die bei der Besiedlung des Vogtlandes und des Erzgebirges entstanden.
Über die Gründungszeit der Burganlage liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Vermutlich muss der durch die Heimatgeschichtsschreibung gegenwärtig um 1300 angenommene Baubeginn bereits einige Jahrzehnte in die Zeit der Kolonisation vorverlegt werden, denn durch eine Urkunde von 1267 ist bereits die Erwähnung eines Ortes "Mechtildegrüne" gesichert, also die Siedlung einer Edelfrau Mechthilde. An der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert nennt sich - wie damals üblich - ein Ritter Johannes Rabe de Methildegrune nach seinem Wohnsitz. Diese angesehene vogtländische Adelsfamilie hatte den Besitz bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts inne.
Doch die Rabes fielen in Ungnade und mussten ihren Besitz veräußern. Der Landesherr belehnte die mächtigen Ritter von Tettau mit Mechelgrün. Die zum deutschen Uradel gehörende Familie von Tettau besaß ausgedehnte Güter in Preußen, im Vogtland sowie die bedeutende Herrschaft Schwarzenberg im Erzgebirge. Nach dem Tod von Wilhelm von Tettau 1524 teilte die Familie mehrfach ihren Besitz und minderte damit ihr herrschaftliches Gewicht.
Auch in Mechelgrün existierten zeitweilig zwei Rittergüter, die aber am Standort des alten Herrensitzes verblieben. Sogar das Schloss wurde geteilt und es entstanden zwei Wirtschaftshöfe. Nach der Familie von Tettau ging das Rittergut unteren Teils an die Familien von Seydewitz und Reibold, bis schließlich 1783 Johann Friedrich Uibrig das Gut erwarb. Ihm folgte Friedrich Wilhelm Uibrig, der 1817 auch noch den oberen Teil von der Familie Adler abkaufte, die 1800 in seinen Besitz gelangten. Die Familie Uibrig führte die beiden Teile bis zu ihrer Enteignung 1945 jedoch getrennt weiter. Mit der Übergabe des Schlosses an die Gemeinde endete seine Nutzung. Vorschläge, das Schloss in ein Altersheim zu verwandeln, scheiterten. Nach dem Ende der DDR hoffte man, das Schloss durch einen Privatinvestor zu einem Hotel aufbauen zu können. Doch der Privatinvestor setzte sich ins Ausland ab.
Die Errichtung des Wasserschlosses Mechelgrün erfolgte in mehreren Bauphasen. Einem Turmbau - wohl um 1200 - folgte bald ein Ausbau. Ein Wassergraben umgab die Anlage. Markant waren die Änderungen des 17. Jahrhunderts. 1670 zerstörte ein Brand die Gebäude der alten Wasserburg bis auf die Grundmauern. Zum Teil auf alten Fundamenten errichteten die Tettaus daraufhin eine dreigeschossige Schlossanlage mit Walmdach. In der Mitte des 19. Jahrhundert erfuhr die nördliche Schlosshälfte eine weitere Umgestaltung, bei der zwei Rundtürme beseitigt und der Wassergraben teilweise verfüllt wurden. Die größten Veränderungen in der Bausubstanz brachte jedoch der Leerstand der Gebäude nach 1945. Bereits 1948 wurde das Herrenhaus unteren Teils zur Baustoffgewinnung abgetragen. Die südliche Schlosshälfte ging an die Gemeinde, die jedoch keine Verwendung dafür fand. Trotz eingeleiteter Sicherungsmaßnahmen verschlechterte sich der Zustand der Gebäude zusehends. 1974 stürzte der Dachstuhl ein; 1988 auch die Turmhauben. Seit dieser Zeit steht das Wasserschloss nur noch ruinös dar.
In die sächsische Geschichte eingegangen ist Mechelgrün auch durch die "Trützschlersche Bluthochzeit". Bei der Vermählung einer Tochter des Schlossherrn von Mechelgrün im Jahre 1544 entbrannte ein Streit in der Hochzeitsgesellschaft, der mit sieben Toten endete. Mehrere Überlebende mussten sich vor Gericht verantworten, kamen aber mit Freisprüchen oder kurzen Gefängnisstrafen davon.
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Wasserschlossruine Mechelgrün
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Stand: 10.03.2013