Beschreibung
Der kleine Ort Bad Muskau, nahe der Grenze zu Polen, wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt und erhielt 1452 sein Stadtrecht. Der Name „Muskau“ ist wahrscheinlich vom sorbischen Wort "Muzak" - wilder Mann - abgeleitet. Nach vielen Besitz- und Herrschaftswechseln geriet Bad Muskau 1785 an die Grafen von Pückler.
Die bedeutendste Persönlichkeit aus dem Hause Pückler war Hermann von Pückler (1785-1871), der 1811 die Standesherrschaft erbte. Pückler galt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. 1817 heiratete er eine Tochter des preußischen Kanzlers von Hardenberg. Seit 1822 war er preußischer Fürst. Auf Grund seiner liberalen und antikirchlichen Anschauungen kritisierte ihn der damalige konservative Adel heftig. Nachdem Pückler 1845 wegen seiner hohen Verschuldung durch einen extravaganten Lebensstils die Standesherrschaft verkaufen musste, zog er sich auf das Schloss seines Großvaters in Branitz bei Cottbus zurück.
Berühmtheit erlangte der Ort insbesondere durch den großzügig gestalteten Park, den der Reiseschriftsteller und Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau in den Jahren 1815-45 anlegen ließ. Neben Peter Joseph Lenné, der am preußischen Königshof wirkte, übertrug Pückler die Ideen des englischen Landschaftsparks, die er auf seinen Reisen kennen gelernt hatte: Die Architektur soll sich in die Landschaft einfügen, die Gestaltung soll der natürlichen Gegebenheit folgen. Für Pückler war ein Garten um so schöner, je mehr er vergessen ließ, dass er von Menschen gestaltete Natur ist. Die vorhandenen natürlichen Gegebenheiten nutzend, gestaltete Pückler eine Parklandschaft, die sich auf einer Fläche von ca. 550 Hektar beiderseits der Neiße ausdehnte.
Den Park in der Neißeaue baute der Gartenbauarchitekt C. E. Petzold, ein Schüler Pücklers, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Sinne seines Lehrmeisters weiter aus. Der 2. Weltkrieg teilte jedoch den Muskauer Park: der sich östlich der Neiße erstreckende größere Teil gehört heute zu Polen; in Deutschland verblieb ein kleinerer Teil. Während der polnische Teil den Status eines Naturschutzgebietes bekam, in dem nichts verändert werden darf, wurde der deutsche Teil zum Gartendenkmal erklärt und im Sinne von Fürst Pückler gepflegt und erhalten. Seit 2003 sind mit dem Aufbau der Doppelbrücke wieder beide Teile miteinander verbunden.
Der Park begeistert durch seine beeindruckenden Fernsichten und großen Parkwiesen, seinen alten Baumbestand und den lebendigen Wasserläufen, in denen sich die Gebäude des Alten und Neuen Schlosses wiederspiegeln.
Rund 27 Kilometer Wanderwege führen Spaziergänger durch eine weiträumige Landschaft mit bis zu 200 Jahren alten Platanen, Rotbuchen, Linden und anderen Laubbäumen. Einen besonders schönen Blick in die Weite des Parks hat man von der Karpfenbrücke.
Die Parkanlage steht auf der Denkmalliste der UNESCO.
In der Parkanlage auf deutscher Seite verdienen das Alte Schloss aus dem 14. Jahrhundert, die Bergkirche (Ende des 18. Jahrhunderts) und die Orangerie, 1840 nach einem Plan von Gottfried Semper errichtet, besondere Beachtung.
Das Alte Schloss, eine Sumpfburg aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wurde unter Prinz Friedrich 1864-66 im Stil der Neorenaissance umgebaut und erweitert. In den Kriegswirren des 2. Weltkrieges zur Ruine ausgebrannt, baute man es zwischen 1965 und 1968 wieder auf. Das Schloss ist ein zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach. Den Mittelbau flankieren zwei vorspringende Seitenflügel. Der Haupteingang besitzt ein schönes Sandsteinportal mit Doppelwappen und drei Männerfiguren. Heute beherbergt es einen Weinkeller und das Stadt- und Parkmuseum.
Das Neue Schloss, in den Jahren 1520-30 errichtet, erfuhr eine wechselvolle Geschichte durch Zerstörungen und Brände. 1822 projektierte Friedrich Schinkel für Pückler den Um- und Ausbau des alten Herrensitzes, doch erst unter Prinz Friedrich der Niederlande entstand 1864-66 das einst zu den größten und repräsentativsten deutschen Adelssitzen gehörende Schloss im Neorenaissancestil. Die stattliche Dreiflügelanlage öffnet sich zur Parkseite über eine Freitreppe und eine Rampe. An der Westseite flankiert ein schlanker Rundturm den Bau. Ende des 2. Weltkrieges zerstörte ein Brand das Schloss bis auf die Grundmauern. Seine 1991 begonnene Sanierung dauert bis heute an.
Waldeisenbahn
Nutzen Sie für die Anreise auch die Waldeisenbahn, eine Schmalspurbahn aus dem Jahre 1895, von Weißwasser nach Bad Muskau. Die Fahrt dauert etwa 35 Minuten.