Historisches Sachsen
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Beschreibung
Das Zittauer Gebirge ist ein landschaftliches Kleinod und traditionelles Feriengebiet im Freistaat Sachsen. In seinem südöstlichsten Zipfel, unmittelbar an der Grenze zur Tschechischen Republik, liegt die kleine Stadt Oybin. Überragt wird der Ort durch einen gewaltigen Fels, den eine Burgruine und ein ehemaliges Kloster krönen. Schon im 18. Jahrhundert haben Dresdner Romantiker diesen Ort für sich entdeckt und die geheimnisumwitterten Ruinen in ihren stimmungsvollen Bildern festgehalten. Auch heute hat des großräumige und zerklüftete Felsmassiv nichts von seinem Charme eingebüßt. Der Besucher, der den steilen Anstieg nicht scheut, wird nicht nur mit einer interessanten Geschichte, sondern auch mit einem großartigen Blick auf die Stadt und das Gebirge belohnt.
Der Ort Oybin hat eine traditionsreiche Vergangenheit, die nicht unwesentlich Kaiser Karl IV. geprägte. Die erste Erwähnung eines Herrensitzes von Zdenek von Moibin im Jahre 1290 lässt Rückschlüsse auf das Bestehen einer älteren Wehranlage zu. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das Land in der Gegend um Zittau, welches ursprünglich zum Königreich Böhmen gehörte, erschlossen. Bauherren der Burg im 13. Jahrhundert waren böhmische Adlige, die das Land im Auftrag des Königs verwalteten. Heinrich von Leipa, zum böhmischen Hochadel gehörend, baute die Burg Oybin mit Vorburg und Zugangssicherung zwischen 1311 und 1316 weiter aus. Die Leipaburg stand einst auf dem westlichen Teil des Burgberges und wurde später vom "Kaiserhaus" überbaut.
Für einen Angreifer war die Eroberung der Burg mit erheblichen Hemmnissen verbunden. Durch eine geschickte Wegeführung und die Nutzung der Abhänge konnten die Verteidigungsbauten auf eine einzige Angriffsseite konzentriert werden. Drei Toranlagen waren zu überwinden, bis der Feind die Hauptburg erreichen konnte. Zusätzliche Sperrelemente - heute noch an Löchern im Fels zu erkennen - nahmen Gatter und Verhaue auf.
Mit der Entwicklung der Stadt Zittau und den sich verändernden Machtverhältnisse wandelte sich auch die Aufgabe des Oybins. Die Verwaltung des Landes ging auf die Stadt über. Zum militärischen Stützpunkt stieg ab 1357 der Karlsfried auf, der zum Schutz der Gabler Handelsstraße nach Böhmen errichtet und Sitz eines Vogtes wurde. Beim Ausbau des Oybins zugunsten der Wohnbauten ging die Burgfunktion weiter verloren.
Kaiser Karl IV. ordnete 1364 den Bau des "Kaiserhauses" an und stiftete 1369 dem Orden der Cölestiner das Kloster auf dem Oybin. Den Kirchenbau errichtete Peter Parler. Beeindruckend ist, dass ein Teil der Kirchenwände frei aus dem Sandstein herausgearbeitet sind. Der von Mönchen 1515 angelegte Bergfriedhof ist heute noch die letzte Ruhestätte der Oybiner.
200 Jahre existierten Burg und Kloster nebeneinander. Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts bestimmte das Klosterleben den Oybin. Mit der einsetzenden Reformation war aber auch sein Ende besiegelt. Alle Wertgegenstände brachte man nach Prag; die Burg wurde militärisch besetzt. Ein Blitzeinschlag 1577 zerstörte schließlich das in der Reformation aufgelöste Kloster. 1681 beschleunigte auch noch ein Felssturz den Verfall.
Lange Zeit blieben die Ruinen bedeutungslos, bis sie die Dresdner Romantiker entdeckten. Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und Karl Gustav Carus fesselte die einzigartige Schönheit der Ruinenwelt und inspirierte sie zum künstlerischen Schaffen. Ihnen folgten zahlreiche Wanderer und Sommerfrischler.
Das 1879 gegründete Museum zu den Wehr- und Siedlungsbauten auf dem Oybin sowie zur Geschichte des Zittauer Landes befindet sich seit 1883 im ehemaligen Wohnturm des vier Hektar großen Ruinenkomplexes. Trotz des Zerfalls sind die Reste der Wehranlage beispielgebend für die Errichtung einer Burg des Mittelalters. Daneben bietet ein Rundgang auf dem Burgringweg herrliche Aussichten auf die umliegenden Berge.
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Bildergalerie
Burg- und Klosterruine Oybin
Nordwand des Kaiserhauses
Klosterkirche
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Stand: 01.11.2009