Historisches Sachsen
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Beschreibung
Das Schloss Püchau zwischen Wurzen und Eilenburg ist anders als viele andere Schlösser in Sachsen. Türme und Balustraden prägen sein einmaliges Antlitz. Dieser neugotische Stil geht auf die Familie von Hohenthal zurück, die damit ihren beispiellosen Aufstieg krönte. Peter Hohmann, ein Leipziger Handels- und Ratsherr, kam mit seinen Waren-, Speditions- und Bankgeschäften rasch zu einem bedeutenden Vermögen. Zu seinen Kunden zählte auch die Kaiserliche Armee Karl VI., die er mit Ausrüstung und Lebensmitteln belieferte. Für seine Verdienste als Kriegslieferant wurde er 1717 in Wien geadelt. Seine Nachfahren machten sich schnell einen Namen als Diplomaten und Minister. Schließlich erhielt am 7. August 1790 das Gesamtgeschlecht von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen als Reichsvikar den Reichsgrafenstand.
In Püchau befindet sich auf einem steilwandigen Vorsprung am Rande der Muldeaue einer der bedeutendsten historischen Schlossbauten der Leipziger Umgebung. Der Bergsporn zog schon seit ältester Zeit Befestigungen an. So bestand hier bereits 924 ein Burgward, auf dem König Heinrich I. vor ungarischen Reitern Zuflucht fand. Damit ist "Bichni" älter als Meißen.
1040 bestätigte Kaiser Heinrich III. dem Bistum Meißen den Besitz der Burg Püchau. Im Zuge der Verwirklichung der bischöflich-meißnischen Landesherrschaft blieb die Burg bis zur Reformation neben der Burg Wurzen ein militärischer Stützpunkt der Bischöfe. Mit ihrer Eingliederung in das sächsische Territorium verlor sie jedoch ihre militärische Bedeutung und wurde zum Schloss umgebaut.
Das Schloss fällt auf durch seine Größe und der in Sachsen unüblichen Windsorarchitektur. Die ältesten Teile des Schlosses befinden sich in den beiden unteren Bereichen des Ost- und Südflügels und gehen in die Zeit der Renaissance zurück. Im Erdgeschoss gibt es noch immer Räume mit Balkendecken aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Seit dem 15. Jahrhundert war Püchau im Besitz der Adelsfamilie von Spiegel. Ihr folgten die Familien von Ende und von Taube. Nachdem Püchau 1667 durch Heirat in den Besitz der Grafen von Bünau kam, blieb das Schloss durch die Erbfolge in der Hand einer Familie. Christiane Elisabeth Freiin von Hohenthal, eine Enkelin des Leipziger Kaufmanns Peter Hohenthal, verzichtete auf eine erneute Heirat, nachdem ihr Ehemann, Heinrich von Bünau, nach nur kurzer Ehe 1768 starb. 39 Jahre verwaltete sie Schloss und Rittergut alleine, um Püchau im Hohenthal'schen Familienbesitz zu halten. Der Übergang des Schlosses an die Familie von Hohenthal erfolgte somit lediglich durch das Fehlen eines männlichen Bünauschen Erbens. Als sie starb, fiel der Besitz an ihren jüngeren Bruder Peter Friedrich. Püchau gehörte bis 1945 den Grafen von Hohenthal, die mit 14 Rittergütern zu den größten Grundbesitzern Sachsens zählten.
Das Schloss erfuhr Anfang des 19. Jahrhunderts eine umfassende Neugestaltung, bei der man ihm wieder einen ausgeprägten burgenartigen Charakter gab. Nach Plänen des Leipziger Baumeisters Oscar Mothes und des Berliner Architekten Richard Lucae schmückte man die Fassaden mit Dekorationen im Tudorstil. An der Hofseite entstand der Treppenturm, der den Eckturm an der Außenseite des Schlosses deutlich überragt. 1874 veränderte Constantin Lipsius das Schloss nochmals im sogenannten Windsorstil. Die zum Innenhof gerichtete Hauptfront des Schlosses erhielt eine Schaufassade mit Türmen, Erkern und Giebeln.
Mit der Bodenreform wurde der letzte Besitzer enteignet. Das Schloss diente fortan als Alten- und Pflegeheim. Seit 1998 befindet es sich in Privatbesitz. Leider ist Schloss Püchau stark sanierungsbedürftig. Dennoch lohnt es, das Schloss mit seiner prunkvollen Fassade und zahlreichen Türmen zu besuchen. Im Innern laden der Bilder-, Marmor- und der Wappensaal zu einer Besichtigung ein. Verschiedene Räume können für Feierlichkeiten gemietet werden.
Darüber hinaus bietet der zu Füßen des Schlosses gelegene und malerisch in die Muldeaue eingebettete Schlosspark umfangreiche Möglichkeiten zur Erholung. Ursprünglich existierte neben den Ziergärten auf der Schlossterrasse ein barocker Lustgarten. In den Jahren 1833 bis 1835 wurde die Anlage nach Nordwesten hin beträchtlich erweitert und als englischer Park angelegt. Als Vorbild dienten damals die Anlagen in Muskau, Wörlitz und Weimar. Nach einem Schriftwechsel des Grafen Carl Friedrich Anton von Hohenthal mit dem Muskauer Garteninspektor Rehder zog der Schlossherr einen Gärtner der Muskauer Schule zur Gestaltung des Landschaftsparks hinzu. In der Wirkungszeit des Gärtners Döring nahm man viele gestalterische Veränderungen, wie das Trockenlegen der Sümpfe, vor.
Zu Umgestaltungen und umfangreichen Pflanzarbeiten kam es in den Jahren 1867 bis 1869 unter der Leitung des Schlossgärtners Hetzinger. Der Park hat zu dieser Zeit im Wesentlichen seine heutige Gestalt erhalten. Auch der heute noch erhaltene Bestand an exotischen Gehölzen, wie Gurkenmagnolie, Trompetenbaum, Tulpenbaum und zahlreiche Rhododendren stammen aus dieser Zeit.
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Bildergalerie
Schloss Püchau
Schlosspark
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Stand: 10.11.2013