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Beschreibung
Bekannt geworden ist der kleine Ort Rammenau in der Oberlausitz durch sein Barockschloss und als Geburtsort des berühmten Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Sachsens schönstes erhaltenes barockes Landschloss mit seinem Garten ist ein großartiger Rahmen für Feste und Feiern, für kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen.
Rammenau ist deutschen Ursprungs und wurde erstmalig 1213 in einer Grenzberichtigung zwischen dem Königreich Böhmen und den Besitzungen des Bischofs von Meißen erwähnt. Es gehörte schon zu früher Zeit den Burggrafen von Camenz, deren Seitenlinien sich nach ihren Schlössern nannten (Ponickau, Canitz, Pulsnitz).
Eine neue Epoche setzte ein, als der Appellationsrat und Kammerherr Ernst Ferdinand von Knoch 1717 den in Konkurs geratenen Gutsbesitz von Carl Heinrich von Seydewitz übernahm und 1721 offiziell mit dem Gut belehnt wurde. Unter dem Einfluss der Fürstenhöfe passte auch der Adel seine Landgüter den höfischen Vorstellungen an. Auf hufeisenförmigem Grundriss errichtete vermutlich Johann Christoph Knöffel 1721-37 für den Kammerherrn einen zweigeschossigen Drei-Flügel-Bau mit Mansarddach. Den betonten Mittelrisalit krönt ein Dreiecksgiebel. Lisenen gliedern die schlichte in gelb und weiß gestrichene Fassade. Dem barocken Schloss ist der ehemalige Wirtschaftshof vorgelagert. Ihn begrenzen an den zwei Seiten eingeschossige Gebäude, die sich harmonisch in die Gesamtheit des Ensembles einfügen.
Die neue, streng symmetrisch gegliederte Anlage wird durch das zweigeschossige Torhaus mit Glockenturm betreten. Über den Wirtschaftshof gelangt man, von zwei Kavaliershäuschen flankiert, in den Ehrenhof, an dessen Ende sich das Schloss befindet. Die repräsentative äußere Gestalt des Schlosses setzt sich bei der Gestaltung und Ausstattung im Innern fort. Dem Zeitalter des Absolutismus entsprechend waren die Herrschenden bemüht, ihre Lebensweise dem Hof anzupassen und standesgemäß aufzutreten.
So gliedert sich das Schloss Rammenau in Wohn-, Repräsentations- und Wirtschaftsräume. Unmittelbar an die Eingangshalle schließt sich der Gartensaal an, der über eine Treppe den direkten Zugang zum Park ermöglicht. Eine Besonderheit stellt das Treppenhaus dar. Es liegt nicht in der barocken Sichtachse, sondern ist - wohl aus Kostengründen - ein Stück nach rechts versetzt.
Über das Treppenhaus mit seiner heutigen illusionistischen Ausmalung (um 1800) erreicht man den Spiegelsaal, den größten und höchsten Raum des Schlosses. Ursprünglich im schlichten Weiß gehalten, erhielt er 1901 sein heutiges Aussehen mit einer beigen Farbgebung und hölzerne Rahmen zur Wandgliederung.
Doch das stattliche Schloss ruinierte schon bald den Bauherrn Ernst Ferdinand von Knoch. Bei der Zwangsversteigerung 1744 fiel das Anwesen an die Familie von Hoffmann, die den Ausbau fortsetzte.
1794 kaufte Friedrich Kleist, Rittmeister und Ritter des Johanniterordens, Schloss Rammenau. Der neue Herr gestaltete das Schloss und die Parkanlage so, wie sie heute noch zum größten Teil zu sehen sind. Er ließ unter anderem die Decken- und Wandmalereien ausführen und den Garten im klassizistischen Stil umgestalten. Geschwungene Wege durchzogen fortan das Areal. Kleist ließ auch die Parkfläche erweitern und mit Teichen und Baumgruppen auflockern.
Das 20. Jahrhundert brachte noch einmal durchgreifende Veränderungen. 1939 wurde Rammenau unter Denkmalschutz gestellt und sechs Jahre später die letzte adlige Besitzerin, Margarete von Helldorff, enteignet. Das Schloss diente anschließend als Gedenkstätte und Museum. Umfangreiche Sanierungsarbeiten gaben ihm zur Jahrtausendwende sein ursprüngliches Aussehen zurück.
Schloss Rammenau ist in jeder Hinsicht ein Kleinod. Die wertvollen Tapeten und Wandmalereien, die klassizistisch-illusionistische Architekturmalerei im Treppenhaus und der Spiegelsaal führen den Besucher in die Welt glanzvoller Feste. Diese Vollendung innenarchitektonischer Baukunst setzt sich in den anderen Räumen fort: im Chinesischen Zimmer, dem Goldenen Zimmer, dem Blauen Salon, dem Jagdzimmer, dem Bulgarischen Zimmer (Pfauenzimmer) oder dem Teufelszimmer.
Aber in diesem Schloss wurde nicht nur getanzt und gefeiert. Viele Schlossherren von Rammenau waren der Wissenschaft zugetan, allen voran Johann Centurius Hoffmann von Hoffmannsegg, ein namhafter Botaniker und Entomologe.
Dem 1762 in Rammenau geborenen späteren Philosophen Johann Gottlieb Fichte, Sohn eines armen Bandwebers, ermöglichte die Protektion des Herrn von Miltitz ein Studium in Leipzig und Jena. Im Schlosspark aus dem 18. Jahrhundert mit seinen Sandsteinfiguren, Postamenten, Balustraden und Treppen fand der Philosoph schließlich einen würdigen Platz. Umgeben von schattigen Bäumen steht das Denkmal des ersten gewählten Rektors der Berliner Universität.
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Bildergalerie
Barockschloss Rammenau
Parkseite des Schlosses
Treppenhaus
Bulgarisches Zimmer (Pfauenzimmer)
www.historisches-sachsen.net
Stand: 01.11.2009