Historisches Sachsen
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Im äußersten Südwesten des Freistaates Sachsen grenzt das sächsische Vogtland an die Freistaaten Bayern und Thüringen sowie an Böhmen. Der Landstrich ist geprägt durch eine reizvolle Landschaft mit weitläufigen Waldflächen und Höhenlagen zwischen 300 und 974 Metern.
Der Landschaftsname Vogtland hat seinen Ursprung im frühen Mittelalter und leitet sich von der Verwaltung durch die Vögte von Weida, Gera und Plauen vom 11. bis zum 16. Jahrhundert ab. Dementsprechend reich ist die Region an historisch wertvollen Sehenswürdigkeiten.

Burg Mylau


Das idyllische Städtchen Mylau liegt wie seine Schwesterstadt Netzschkau im nördlichen Vogtland ganz in der Nähe der berühmten Göltzschtalbrücke. Mylaus repräsentative Burg ragt stolz und trutzig oberhalb des Zentrums der Ortschaft in den Himmel. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und die am besten erhaltene Burg des sächsischen Vogtlandes.
Die romanische Wehranlage über der Stadt wurde um 1180 auf einem Felssporn als Reichsdienstmannensitz Kaiser Friedrich Barbarossas erbaut. Ihre Ritter von Milin, deren Geschlecht über zwei Jahrhunderte in der Gegend nachzuweisen ist, erfuhren 1214 eine erste Nennung.
1323 belehnte Kaiser Ludwig der Bayer Heinrich Reuss den Kleinen mit der Herrschaft Mylau. Sein Sohn, Heinrich der Strenge, geriet jedoch mit Kaiser Karl IV. und den meißnisch-thüringischen Fürsten in eine Fehde, in der die Macht der Reusse erheblich litt. Dieser "Vogtländische Krieg" entstand hauptsächlich aus dem Ringen um die Krone des Deutschen Reiches. Schließlich ging die Burg in den Besitz der Könige von Böhmen über. Im Jahre 1367 erwarb und besuchte Kaiser Karl IV. die Burg und verlieh der Siedlung unter ihr das Stadtrecht. Noch heute kann man im Stadtwappen und im Namen "Kaiserburg" dieses Ereignis nachvollziehen.
Die Besitznahme und Aufenthalte des Kaisers war für Mylau von großer Bedeutung, erlangte die Herrschaft doch gewissen Rechte und Freiheiten sowie Befreiungen von Abgaben. Die Hussitenkriege kostete dem Kaiser jedoch so bedeutende Summen, dass er sich gezwungen sah, einzelne Besitztümer zu verpfänden. So gelangte Mylau 1422 unter die Verwaltung von Friedrich von Meißen, der dem Kaiser erhebliche Summen lieh.
Noch vor dem Wechsel in kursächsische Verwaltung entstanden zwei Vorburgen. Zwei viereckige Türme, der "Rote Turm" und der Glockenturm, begrenzen die Anlage nach Westen. Im Osten befindet sich der runde Bergfried. Vermutlich stand in der Süd-Ost-Ecke noch ein vierter Turm, der heute jedoch nicht mehr vorhanden ist. Die Wettiner nahmen im Laufe der Zeit zahlreiche Umbauten vor. Dabei gaben sie den Wehrcharakter der Burg immer mehr auf und richteten die Anlage zu Wohnzwecken her.
Bis 1772 hatte die Burg verschiedene sächsische Adlige als Herren. Der bedeutendste jedoch war Joseph Lewin Metzsch (1508-71), ein Freund Luthers und Förderer der Reformation in Sachsen und im Vogtland. Später war der "Krösus des Vogtlandes" Carol Bose (1596-1657) Eigentümer des Anwesens.
Der letzte adlige Burgherr, Carl Christian August, Edler von der Planitz, veräußerte Burg Mylau an den Greizer Kaufmann Christian Friedrich Petzold. Unter den nun folgenden bürgerlichen Besitzern diente die Burg gewerblichen Zwecken. Nach einer Zeit der Verwahrlosung ist sie seit 1892 städtisch und wurde zum Rathaus mit Historismusgiebel und Schlossschenke umgebaut.
Charakteristisch für die Burg sind ihre drei Türme: der runde 27 m hohe Bergfried, der viereckige Glockenturm und der viereckige "Rote Turm" (z.Z. weiß gestrichen). Ihre unterschiedlichen Dachhauben verleihen der Burg ein besonderes Aussehen.
Der obere Burghof wird auch als "Kaiserhof" bezeichnet. Hier, im ehemaligen Frauenhaus, befinden sich die Eingänge zum Museum und zum Burgkeller. Im ehemaligen Palas gegenüber eröffnete 1896 das prachtvolle Rathaus. Seinen Giebel krönen die Insignien des Deutschen Kaiserreiches. Im Innern befindet sich der repräsentative Ratssaal, dessen hohe trapezförmige Holzdecke nach dem Vorbild des Festsaales der Wartburg entstand.
Beginnend am Markttor der Burg, über die Vorburg bis hin zum Kaiserhof führt der Kaiserpfand die Besucher in die Lebensverhältnisse zu Zeiten der böhmischen Könige Karl IV., Wenzel IV. und Sigismund ein. In 13 Stationen lernen die Besucher das mittelalterliche Bauwerk mit seinen Türmen, Toren, Mauern und Bastionen kennen.

Schloss Netzschkau


Nur wenige Kilometer von Mylau entfernt ist das Schloss Netzschkau eines der kunsthistorisch bedeutendsten Schlösser im sächsischen Vogtland und gilt als eines der ersten Wohnschlösser des Adels im heutigen Sachsen. Seine bunte Fassade versteckt sich hinter hohen Bäumen und einer Bruchsteinmauer.
Das Schloss, ein repräsentativer Rechteckbau mit Rund- und Viereckturm, rot umrandeten Vorhangbogenfenstern und rot gehaltenen Staffelgiebeln, wurde um 1490 von Caspar David Metzsch als feudaler Herrensitz erbaut und ist von Stilelementen der sächsischen Spätgotik geprägt.
Zu dieser Zeit begannen sich die Wohnschlösser mit ihrer gesteigerten Wohnqualität gegenüber den auf Verteidigung ausgerichteten Burgen durchzusetzen. Auch wenn der Rundturm äußerlich noch eine mittelalterliche Wehrfähigkeit vermuten lässt, kann eine nähere Bauuntersuchung die Existenz von Verteidigungseinrichtungen nicht bestätigen.
Unter dem "Krösus des Vogtlands", Carol von Bose (1596-1657), begann 1626 eine umfangreiche Bautätigkeit. Von seinem Vermögen erwarb Carol von Bose mehrere Rittergüter und baute auch das Schloss Netzschkau aus. Nord- und Ostflügel sowie eine Schlosskapelle wurden errichtet; im Hauptbau verschwanden die spätgotischen Holzdecken unter dem damals modernen Stempelstuck (älteste Form deutschen Stucks in Sachsen). Einzigartig ist ein prächtiger Kachelofen von 1627 und ein Wappenschrank aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Um 1725 bildeten Schloss und Rittergut Netzschkau einen stattlichen Gebäudekomplex mit zahlreichen Türmen und Dachreitern. Doch dieser Gebäudekomplex sollte nicht lange Bestand haben. Eine erste Reduzierung erfolgte durch den Abbruch der erst 1629 errichteten, nun aber nicht mehr benutzbaren Schlosskapelle Anfang des 19. Jahrhunderts.
Die letzten adligen Eigentümer, die Grafen von Schönburg-Glauchau, legten 1858 den ca. 4 Hektar große Schlosspark neben den Gebäuden an. Das Schloss erfuhr nur geringe bauliche Veränderungen. Aus finanziellen Gründen nahmen Bauschäden am Schloss infolge undichter Dächer jedoch immer mehr zu, auch als 1944 nach dem Tod der Gräfin Frieda von Schönburg-Glauchau die Stadtverwaltung Netzschkau das Schloss kaufte. Für den Schlosskomplex war es zu spät. Als Folge der Nässeschäden im Hauptbau stürzte 1947 einer der beiden großen Unterzüge im Saal herab und riss zwei Drittel der Stuckdecke mit sich. Der Nord- und Ostflügel fielen 1953 in sich zusammen, so dass auch der Schlosshof verschwand. Erhalten blieb nur noch der unter Caspar David Metzsch errichtete Westflügel sowie der Viereck- und der Rundturm.
Zahlreiche Bemühungen zur Erhaltung des Schlosses führten in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts schließlich zu ersten Sicherungsmaßnahmen, so dass 1972 das 1. und 1980 das 2. Obergeschoss saniert waren. Mit großem finanziellen Aufwand wurden dann in den 90er Jahren die Baumaßnahmen zum Abschluss gebracht.
Heute befindet sich im Obergeschoss eine ständige Ausstellung zur Schlossgeschichte, die durch wechselnde Ausstellungen ergänzt wird.
Nur unweit des Schlosses erhebt sich mit der Göltzschtalbrücke (1846-51) die größte Ziegelbrücke der Welt. Mit 78 m Höhe und 574 m Länge überspannt sie das Landschaftsschutzgebiet "Unteres Göltzschtal".

Burgruine Elsterberg


Im Talkessel der Weißen Elster, unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen, liegt Elsterberg mit den umfangreichen Resten einer der größten Burgen des Vogtlandes. Nach der Besiedlung dieses Gebietes durch die Slawen kamen im Zuge der ostdeutschen Besetzung auch die Herren von Lobdeburg nach Elsterberg.
Bereits um 1200 begannen die Lobdeburger auf einer Erhebung, die im weiten Bogen von der Weißen Elster umflossen wird, eine Burganlage zu errichten. Doch die Anlage ist offensichtlich nicht die erste in dieser Gegend. Durch die Nennung eines Rayer de Elstirberg im Jahre 1198 ist die Existenz eines anderen Herrensitzes gesichert. Dieser lag wahrscheinlich beim "Alten Haus", nur 400 Meter von der heutigen Burganlage entfernt, auf der anderen Seite der Elster. Wohl aus Bequemlichkeitsgründen baute man dann das "Neue Schloss" an der heutigen Stelle.
Die 1225 fertig gestellte, 1,5 Hektar große Anlage nahm Kaiser Karl IV. 1354 während des "Vogtländischen Krieges" ein und zerstörte sie. Doch bereits ein Jahr später erfolgte der über 10 Jahre dauernde Wiederauf- und Ausbau, bei dem die Burg vergrößert und mit fünf Wehrtürmen und doppelter Ringmauer versehen wurde. So konnten die Mauerabschnitte durch flankierend vorstehende Rundtürme verteidigt werden. Dabei nutzte die Kernburg in ihrer Spornlage den natürlichen Schutz von Abhängen an drei Seiten.
Fast das gesamte Burgplateau war bebaut. Im Westen, gegen die Stadt, war der Palas angeordnet. Seine mit einem Fachwerkobergeschoss versehenen gewaltigen Mauern sind heute noch als Reste sichtbar. Das einst gegenüberliegende "Rote Haus", von den Bünaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Wohnhaus errichtet, ist verschwunden. Auch die im südlichen Teil der Kernburg vermutete Kapelle ist nur noch an geringen Mauerresten erkennbar. In der Hofmitte lag der heute zugeschüttete Burgbrunnen. Einen Bergfried sucht man vergebens. Wohl im Vertrauen auf die perfekte Zwingerverteidigung haben die Erbauer darauf verzichtet.
Bis 1394 war die Burg im Besitz der Herren von der Lobdeburg bei Jena, später, von 1429 bis 1635, im Besitz der Herren von Bünau, bis sie im Dreißigjährigen Krieg zur Ruine verfiel. Gezeichnet durch starke bauliche Schäden wurde die Burg noch bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts bewohnt, dann aber als Ruine versteigert und als Baustofflager genutzt.
Der Rittergutsbesitzer Adler aus Coschütz verkaufte die Burgruine schließlich 1909 an die Stadtgemeinde Elsterberg, die die bereits 1882 begonnene Restaurierung fortsetzte. 1913 bauten die Stadt und der Heimatverein drei der fünf Rundbauten wieder auf und versahen sie mit Dächern. Zwischen 1920 und 1922 wurden die Kellergewölbe wiedererrichtet.
Betritt man die Burg durch das Haupttor, gelang man zunächst in die Zwingeranlage. Zu beiden Seiten des Tores stehen Rundtürme mit schindelgedeckten Kegeldächern. Mächtige Mauerreste im Innern der Ruine erinnern an den einstigen Palas und den Rittersaal. Im Burghof befinden sich die sanierten und ausgebauten Kellergewölbe.

Schloss Leubnitz


Den Abschluss des Tages bildet die Besichtigung einer der sehenswertesten Parkanlagen im sächsischen Vogtland. Der Landschaftspark Elmbachtal in Leubnitz bei Plauen ist ein gepflegter Schlosspark mit altem Baumbestand. Mit seinen zwei Teichen lädt er zum Wandern und Verweilen ein.
Bereits vor über einhundert Jahren priesen Besucher den südlich des Schlosses um 1890 angelegten Garten mit seinen "zwei Häusern für exotische Pflanzen". Auch heute noch ist der historische Landschaftspark Elmbachtal eine der sehenswertesten Parkanlagen im sächsischen Vogtland. Der 12,6 Hektar große gepflegte Schlosspark mit altem Baumbestand und zwei Teichen lädt zum Wandern und Verweilen ein.
Neben dem Park ist das 1794 neu errichtete Schloss, ein zweigeschossiger Rechteckbau mit feiner Pilastierung und klassizistischem "Weißen Saal", sehenswert. Als früheste Besitzer des Schlosses werden die Herren von Röder genannt, ein vormals im Vogtland reich begütertes Geschlecht.
Von den Herren von Röder kam Leubnitz im 16. Jahrhundert an die Trützschler, welche das Gut Anfang des 17. Jahrhunderts an Wilhelm Melchior von Bodenhausen auf Mühltroff verkauften. Die Familie von Bodenhausen besaß bedeutende Güter und führte in Mühltroff einen fürstlichen Haushalt. Mit dem Tod von Otto Georg 1764 starb das Geschlecht jedoch aus und die Herrschaft Mühltroff mit Leubnitz kam durch Heirat von Ottonie Eleonore von Bodenhausen an Karl Erdmann von Kospoth, nachdem Leubnitz durch "Landesherrliche Gnade auch die Weiberlehn" empfangen hatte.
1763 beschädigte ein Brand das alte Herrenhaus. Da die damaligen Besitzer jedoch in Mühltroff wohnten, reparierten sie das Gebäude nur notdürftig. Erst als der Rittmeister Heinrich Wilhelm von Kospoth 1792 das Gut Leubnitz erbte und hier seine Wohnung nahm, ließ er das kleine Herrenhaus abbrechen und das jetzige Schloss im frühklassizistischen Stil erbauen. Das Gut war bis zur Bodenreform im Besitz der Familie.
Heute befinden sich im Schloss die Touristeninformation und die ständige Ausstellung "Natur und Jagd". Park und Schloss stehen als Ensemble unter Denkmalschutz.

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