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Tour 14 - Durch das Leipziger Land Im Süden der Messestadt Leipzig, wo einst die Braunkohlenindustrie das Landschaftsbild formte, beginnt die heutige Tour. Burgen, Schlösser und Herrenhäuser bestimmen auch hier die Architektur der vergangenen Jahrhunderte. Doch die ersten Bauten stammen bereits aus dem 10. Jahrhundert. So wartet die Wiprechtsburg in Groitzsch als ältester Steinbau Nordwestsachsens mit seiner Rundkapelle und Resten eines Wohnturms auf die Besucher. Barockschloss Wiederau
Die Tour beginnen wir am Barockschloss Wiederau, das durch die Bachkantate "Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen" Bekanntheit erlangte. Wiederau, erstmals 1080 als Widerhowe genannt, war ursprünglich eine slawische Siedlung, die sich später zum Straßendorf erweiterte. Grundlage der ersten Ansiedlung war der fruchtbare Auerand der Weißen Elster südwestlich von Leipzig.
Barockschloss Wiederau Die Ausgestaltung des Wiederauer Schlosses wird dem bekannten italienischen Maler Giovanni Francesco Marchini und einem Stuckateur aus Mailand zugeschrieben. Die vielfältig gegliederten und kostbar verzierten Wände des über zwei Geschosse reichenden Festsaales zeigen Szenen aus der antiken Mythologie. Raumbeherrschend ist das monumentale Deckengemälde, das den Blick über perspektivisch verkürzte Säulen nach oben lenkt. Frauenfiguren, die für die göttliche Weisheit und die menschliche Tugend stehen, umgeben eine Himmelslandschaft. In seiner Gesamtheit ist der Festsaal mit seinen Stuckdekorationen, Wand- und Deckenmalereien besonders wertvoll und wohl einzigartig in Sachsen.Bekannt geworden ist Wiederau auch durch die Musik. 1737 erklang anlässlich der Huldigungsfeier für Johann Christian von Hennicke, einem Günstling am Dresdner Hofe, der das Schloss Wiederau 1737 erworben und umfangreiche Baumaßnahmen veranlasst hatte, Johann Sebastian Bachs Kantate "Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen". Die Nebengebäude von Schloss Wiederau stellte in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts der damalige Besitzer, Konrad von Holleuffer-Kypke, selbst seit 1926 KPD-Mitglied, der Arbeiterjugend von Leipzig und Umgebung zur Verfügung. Doch die Bodenreform am Ende des 2. Weltkriegs konnte auch der "rote Baron" nicht verhindern. Nach dem Krieg zogen Vertriebene in das Schloss ein. Später diente das Gebäude als Gemeindeverwaltung und Kindergarten. Für den Abriss zu Gunsten des Braunkohletagebaus vorgesehen, wurde das Gebäude 1975 leergeräumt. Das Ende der DDR verhinderte das Ansinnen. Zwischenzeitlich setzte man den vernachlässigten Bau wieder instand. Das Schloss, heute vollkommen restauriert, soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Pleißenburg Leipzig Vom Barockschloss Wiederau führt die Bundesstraße 2 in das Stadtzentrum von Leipzig und damit zur nächsten Sehenswürdigkeit der Region: das Neue Rathaus. Parkplätze sind in der Stadt rar. Die größten Chancen auf einen freien Parkplatz hat man südlich des Stadtringes, etwa am Floßplatz. Von hier sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Zentrum.
Im Zentrum von Leipzig befindet sich das in seiner Monomentalität wohl einmalige Neue Rathaus, das sich aus der ehemaligen Pleißenburg entwickelte. Das "Schloss an der Pleiße", wie der Vorgängerbau des Neuen Rathauses in den Bauakten des 16. Jahrhunderts genannt wurde, ist der letzte Rest einer ehemals drei Burgen umfassenden Befestigung der Stadt, die vom Westen her bereits durch die alte Leipziger Burg und von Osten durch die 1180 erbaute markgräfliche Burg des Stadtvogtes gesichert war.
Pleißenburg Leipzig Die Pleißenburg entstand ab 1217 unter Markgraf Dietrich den Bedrängten. Der stets auf den Ausbau seiner Landesherrschaft bedachte Wettiner reagierte damit auf die Aufstände der Leipziger Bürger und vervollständigte mit einer weiteren Burg die Umklammerung der Stadt. Während alle anderen Anlagen noch in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts aufgegeben wurden, baute man die Pleißenburg zur landesherrlichen Stadtburg und zum Sitz eines Vogtes aus. Dabei bezog man sie in die neue Stadtmauer ein.Mit dem Schloss stehen eine Reihe geschichtlicher Gegebenheiten in Verbindung. "Hier wurden mehrere wichtige Landtage gehalten. … Hier vermählte sich die Schwester Ludwig IV. von Thüringen mit Peppo von Henneberg, hier theilte dessen Sohn Heinrich der Erlauchte seine Länder und hier erfolgte im Jahre 1485 auch die Theilung der von Kurfürst Ernst und dem Herzog Albrecht ererbten Besitzungen. Hier hielten vom 28. Juni bis 16. Juli 1519 in der sogenannten grossen Hofstube Dr. Luther und Karlstadt mit dem Dr. Eck jene bedeutende und die Begründung der evangelischen Lehre wirksam befördernde Disputation, welche statt Luthern, wie es sein Gegner verkündet hatte, zum Schweigen zu bringen, die Wahrheit seiner Lehrsätze nur um desto siegreicher bewährte. Hier predigte Luther im Jahre 1519 vor seinen eifrigsten Widersachern dem Herzog Georg dem Bärtigen und zwanzig Jahre später vor einem seinen innigsten Verehrer und Freunde, dem Herzog Heinrich dem Frommen." Im Schmalkaldischen Krieg belagerte Kurfürst Johann Friedrich 1547 Leipzig und beschädigte die Pleißenburg schwer. Mit dem Wiederaufbau beauftragte man den Leipziger Baumeister und Ratsherr Hieronymus Lotter, der auch die Augustusburg errichtete. Es entstand ein Festungsbau mit einem dreieckigen Grundriss. An der südwestlichen Ecke befand sich der 52 Meter hohe Turm. In den folgenden Jahren nahmen verschiedene Feldherren Einfluss auf den Ausbau und die Instandhaltung der Anlage, bis diese schließlich Mitte des 18. Jahrhunderts ihre Bestimmung als Festung verlor und zunehmend zivilen Nutzungszwecken zugeführt wurde. So richtete man 1787 eine Sternwarte im Schlossturm ein und nutzte die Gebäude durch die Kunstakademie und die Universität. Mit dem Ankauf des Grundstücks durch die Stadt Leipzig 1895 stand dem Abbruch und dem Neubau des Neuen Rathauses nichts mehr im Wege. Gohliser Schlösschen
Zum Abschluss des Tages fahren wir zu einem Schloss, das sich wesentlich von dem bisher gesehenen unterscheidet. Das Gohliser Schlösschen besticht durch seine filigrane Architektur und Detailgenauigkeit. Längst sind die Zeiten vorbei, als im Sommer die Bürger Leipzigs in das ehemalige Dorf zogen und diesem das Aussehen einer Vorstadt verliehen. Heute ist das Gohliser Schlösschen, etwa zwei Kilometer nördlich des Stadtzentrums, umgeben von zahlreichen Wohn- und Geschäftshäusern, die es in seiner Höhe um einiges überragen.
Gohliser Schlösschen Mit dem Tod Böhmes erbte der Hof- und Justizrat Johann Hieronymus Hetzer das Gut bis es 1793 durch Testament an die Stadt Leipzig übereignet wurde. Die Stadt verkaufte Inventar und Teile der Kunstsammlung und übergab die Bibliothek an die Stadtbibliothek Leipzig.1832 veräußerte die Stadt das Schloss für einen "mäßigen Preis" an die Familie des Domherrn Karl Wilhelm Rudolf von Alvensleben. In der Folgezeit wechselten mehrfach die Besitzer, bis die Stadt Leipzig das Schloss 1904 erneut erwarb. Nach einer Sanierung und einem teilweisen Umbau eröffnete das Gohliser Schlösschen 1934 als "Haus der Kultur". Im Jahr 1950 nahm das Bach-Archiv seinen Sitz in Teilen des Gebäudes. Nach der Jahrtausendwende führte die finanzielle Lage der Stadt Leipzig zur Schließung des Gohliser Schlösschens, doch der Freundeskreis "Gohliser Schlösschen" e.V. führte den Veranstaltungsbetrieb weiter fort. Heute beherbergt das Gohliser Schlösschen Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sowie ein Café. Das Gebäude ist zur Gartenseite hin zwei- ansonsten eingeschossig. Die leicht vorgezogene Mitte wird von einem Dach und einem Turm mit Zwiebelhaube bekrönt. Der Rokokogiebel der Vorderseite ist mit reicher Rocailleornamentik verziert. Eine Treppe fehlt dem Gebäude. Der Eingang von der Parkseite liegt hinter einem Brunnen im Zentrum des symmetrischen Gartens. Zwei Flügel begrenzen beidseitig den Hauptbau. Im Innern beeindrucken der Mittelsalon und der im oberen Geschoss befindliche Festsaal. Der Festsaal, der aufgrund eines Deckengemäldes von Adam Friedrich Oeser auch den Namen Oesersaal trägt, wurde nach 1770 im frühklassizistischen Stil eingerichtet. Sein allegorisches Plafondgemälde stellt den Lebensweg der Psyche dar. Die Wandflächen sind mit illusionistisch gemalten Landschaften versehen. Nach einer Restaurierung in den Jahren 1978-81 steht der Festsaal für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Neben Kammerkonzerten, Lesungen, Theater- und Ballettinszenierungen sollen auch Ausstellungen und Führungen in das Schloss einladen. Der Mittelsalon besitzt Kamine, Paneelen und Türen aus der Erbauungszeit von 1756. Seine Wandflächen waren bis 1793 mit "128 Kupferstichen unter Glas" behängt. |
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