Historisches Sachsen
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Freistaat SachsenSchlösser & BurgenTagestourenSucheTour 4 - Entlang der Zschopau   
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Am Nordhang des Fichtelberges, der höchsten Erhebung Sachsens, entspringt die Zschopau, die sich 126 km nach Norden schlängelt und schließlich im Landkreis Döbeln in die Freiberger Mulde mündet. Sanfte Hügel und wildromantische Täler mit schroff abfallenden Wänden formen das Tal zu einer landschaftlich vielgestaltigen Region. Bereits vor mehr als 800 Jahren wurde das Land entlang der Zschopau erschlossen. Historische Zeugen sind nicht nur die an der Zschopau liegenden Städte, sondern auch die Schlösser und Burgen dieser Region. Und das Tal der oberen Zschopau ist reich an Schlössern und Burgen: Schloss Augustusburg, Schloss Wildeck, Burg Scharfenstein, Schloss Wolkenstein und Schloss Schlettau reihen sich wie eine Perlenkette aneinander.

Schloss Augustusburg


Beginnen wollen wir die Tour mit einem Mekka für Motorrad- und Kutschenfreunde. Wer eine ganz besondere Anreise genießen will, parkt am besten in Erdmannsdorf und nutzt schon des schönen Ausblicks wegen die 1,2 Kilometer lange Drahtseilbahn, die den Höhenunterschied von 168 m bis zur Augustusburg in rund acht Minuten überwindet. Einen Parkplatz gibt es aber auch direkt am Schloss.
Weithin sichtbar krönt die Augustusburg - einer Festung gleich - den Nordrand des Erzgebirges. In nur vier Jahren Bauzeit wurde dieses imposante Bauwerk geschaffen. Das größte Schloss des Erzgebirges und eine der bedeutendsten Renaissanceanlagen Deutschlands liegt auf dem Schellenberg 516 m über NN.
Vor mehr als 400 Jahren ließ der sächsische Kurfürst August (1526-1586) anstelle der abgebrannten Burg Schellenberg die Augustusburg als Jagd- und Lustschloss erbauen. Von außen fasziniert sie durch ihre Monumentalität und architektonische Schönheit. Baumeister war der Leipziger Bau- und Bürgermeister Hieronymus Lotter, der zwischen 1568 und 1572 dieses Bauwerk errichtete. Ihm zur Seite standen der Niederländer Erhard van der Meer, Baumeister des Grafen von Schwarzburg, und ab 1571 der berühmten Festungsbaumeister aus Heidelberg, Graf Rochus von Lynar. Dazu gesellten sich "täglich 100 Mann zu Handlangerdiensten und 1000 Mann zu Mauer und Zimmerarbeit".
Auf der exponierten Porphyrkuppe erhebt sich eine vollkommen regelmäßige Renaissanceanlage, deren vier quadratische, turmartig erhöhte Eckbaukörper durch schmalere Trakte miteinander verbunden sind. Die Türme haben Namen, von denen man die historische Nutzung oder funktionale Zusammenhänge ableiten kann: "das Lindenhaus gegen N.O., das Sommerhaus gegen N.W., das Hasenhaus gegen S.W. und das Küchenhaus gegen S.O.".
Der geschlossene Innenhof erhält durch die Anordnung der Ecktürme den Grundriss eines griechischen Kreuzes. An der Südseite dieses Quadrates schließt sich ein langgestreckter Hof an, den ein Stall- und Wirtschaftsgebäude umgibt. Inmitten des Hofes befindet sich das Brunnenhaus mit dem 130,6 m tiefen Brunnen und dem Göpelwerk.
Der verhältnismäßig nüchterne Eindruck des Schlosses ist das Ergebnis von Reduzierungen der Bausubstanz um 1800. Christian Traugott Weinlig restaurierte 1799-1809 den vernachlässigten Bau, dessen Innenausstattung fast völlig abhanden gekommen war, im klassizistischen Stil. Die ursprünglich reich gegliederte Dachzone mit Erker und Balustraden veränderte er dabei radikal.
Noch vorhandener äußerer Hauptschmuck sind die beiden Portale im Nord- und Südflügel. Das schönste Portal ist das Südportal mit Löwen und kurfürstlichem Wappen von 1614. Darüber erhebt sich der Glockenturm mit einer 1734 in Dresden gegossenen Glocke.
Die Schlosskirche ist eine der wenigen in Deutschland nach der Reformation noch vorhandenen Renaissancekirchen. Sie entstand nach Plänen des Niederländers Erhard van der Meer. An drei Seiten des Kapellenraumes umlaufende Emporen werden von einer architektonischen Ordnung gegliedert, der Raum ist von einem Tonnengewölbe überspannt. Den prächtigen holzgeschnitzten Altar beherrscht das Altarbild von Lucas Cranach d.J.
Schloss Augustusburg beherbergt verschiedene Museen. Das Kutschenmuseum präsentiert ca. 20 Kutschen und Schlitten der letzten drei Jahrhunderte. In der Dauerausstellung des Motorradmuseums wird die über 100jährige Geschichte des motorisierten Zweirades anhand von 170 erlesenen sowie technisch und historisch bedeutenden Exponate eindrucksvoll präsentiert. Der gesamte Fundus des Museums umfasst 450 Fahrzeuge und gehört damit zu den anspruchvollsten und umfangreichsten Motorradsammlungen Europas. Im Museum für Jagdtier- und Vogelkunde des Erzgebirges werden rund 120 präparierte Vögel und jagdbare Säugetiere in 48 naturnah gestalteten Dioramen gezeigt.
Zum Abschluss des Besuchs der Augustusburg gönnen wir uns einen Blick vom Aussichtsturm - zu erreichen über 130 Stufen - von dem man eine wunderschöne Fernsicht in die Erzgebirgslandschaft genießen kann.

Allein für den Besuch der Augustusburg könnte man schon fast einen ganzen Tag verwenden. Aber es gibt auch noch andere interessante Anlagen in unmittelbarer Nähe. Eine dieser interessanten Anlagen ist die Erlebnisburg Scharfenstein. Doch auf dem Weg dorthin passieren wir in Zschopau noch das Schloss Wildeck.

Schloss Wildeck


Das weiß getünchte Schloss in Zschopau liegt auf einem nicht all zu hohen Felsen am Ufer des gleichnamigen Flusses. Der Name der alten Burg "Wildeck" ist - wie viele andere Namen erzgebirgischer Burganlagen auch - eine Schöpfung aus der neueren Zeit. In mittelalterlichen Urkunden wird die Burg stets "Zschopau" in verschiedenen Schreibweisen genannt.
Die erste urkundlich gesicherte Erwähnung einer mittelalterlichen Befestigungsanlage stammt vom Ende des 13. Jahrhunderts. Die Ursprünge sind jedoch weitaus älter, denn die Burg entstand wahrscheinlich schon mit der 2. Besiedlungswelle des Erzgebirges in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit waren die Meißner Markgrafen Lehenträger und können als Bauherren angenommen werden.
Einst diente die Wehranlage dem Schutz des "Alten Böhmischen Steiges", der unterhalb der Burg den Fluss Zschopau überquerte und ein überaus wichtiger Handelsweg von Halle nach Prag war. Über das Aussehen der Burg können heute nur Vermutungen angestellt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich die Bauwerke an die Geländesituation mit einem zur Zschopau hin abfallenden Bergsporn anlehnten. Die heute noch sichtbare Randhausbebauung orientiert sich an den bereits im Mittelalter vorhandenen Gebäuden, hat den ursprünglichen Befund jedoch weitgehend verwischt.
In ihrer Geschichte überstand die Burg häufige Besitzerwechsel. Bereits in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts ging Zschopau an die Waldenburger über, die als Lehenträger im oberen Zschopaugebiet zahlreiche Burgen besaßen. Schließlich erwarben 1456 die Wettiner Burg Zschopau und bauten sie 1545 bis 1547 auf Betreiben des Herzogs Moritz, dem späteren Kurfürsten von Sachsen, zum Jagdschloss im Renaissancestil um. Dabei wurde der Halsgraben, der die Burg zur Stadt hin abriegelte, teilweise verfüllt. Im Ergebnis entstand eine nach Norden offene hufeisenförmige Gebäudeanordnung mit dem Bergfried im Zentrum.
Schloss Wildeck erlangte auch durch die regelmäßigen herrschaftlichen Jagden bis zur Fertigstellung der nahen Augustusburg große Bedeutung. Der berühmteste Jägermeister, der von 1554 bis 1576 das Amt des Wild- und Forstmeisters innehatte, war der kurfürstliche "Oberforst- und Landjägermeister" Cornelius von Rüxleben, ein Günstling des Kurfürsten August. Er fiel jedoch durch Verleumdungen eines Forstbediensteten in Ungnade und starb 1590 nach langer Haft auf der Pleißenburg bei Leipzig. Später diente das Schloss überwiegend als Behördensitz.
Schloss Wildeck hat eine schlichte weiße Fassade im Renaissancestil. Zwerchhäuser untergliedern das schiefergedeckte Dach. Die Hofseite markiert ein vorgesetzter Treppenturm.
Die Verwalter nahmen immer wieder bauliche Veränderungen im und am Schloss vor, so z.B. am Treppenturm, "Schlanke Margarete" genannt. Die ursprünglich rechtsgewendelte Holztreppe ersetzte man 1844 durch eine linksgewendelte Steintreppe. Weitere Anbauten erfolgten um 1855, wie das Gefängnis und der Gerichtssaal. Auch am Bergfried, seit alters her "Dicker Heinrich" genannt, waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig. Mit fast vier Metern Mauerstärke und zwölf Metern Außendurchmesser gehört er zu den stärksten Bergfrieden in Sachsen. Im 19. Jahrhundert wurde er um etwa sechs Meter abgetragen.
Wichtige Erkenntnisse über die Burg erlangten Burgenforscher 1999 bei Erdarbeiten. So stieß man auf eine 2,15 m starke Ringmauer aus der Gründungszeit der Anlage, die unmittelbar vor dem Bergfried in Nordrichtung lag und durch einen vorgelagerten Abschnittsgraben, der aus dem Fels geschlagen war, geschützt wurde. Die Lage der Ringmauer ist heute für die Besucher der Burg in der Hofpflasterung sichtbar.
Seit 1994 ist die Stadt Zschopau Eigentümer des Schlosses Wildeck. Die Räume erfahren eine vielfältige Nutzung. So stehen die "Blau-Weiße Stube" und die "Gelbe Cammer" vorrangig für kulturelle Veranstaltungen und für Vereinsaktivitäten zur Verfügung. Im Schloss befinden sich weiterhin eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt Zschopau, das historische Buchdruckmuseum, eine Motorradausstellung und die Touristeninformation.
Nicht zu verachten ist auch der kleine gepflegte Garten, der zu Füßen des Schlosses halbkreisförmig auf dem Burgfelsen liegt. Hecken und Beete beeindrucken den Besucher. Ein Rundweg verbindet die einzelnen Gartenpartien miteinander.

Nach Schloss Wildeck am Hang der Zschopau überqueren wir nun die B 174 und wenden uns der nur sieben Kilometer entfernten Erlebnisburg Scharfenstein zu.

Burg Scharfenstein


Im 12. Jahrhundert bedeckte ein undurchdringlicher Wald - der "Miriquidi" - weite Teile des Erzgebirges. Erst um 1150 erschlossen bäuerliche Siedler nach und nach den "Dunkelwald". So entstanden in dieser Gebirgsregion entlang der Zschopau eine ganze Reihe Burgen zur Sicherung der Furten und Wege.
Zudem kündet der Name des Erzgebirges von seiner Jahrhunderte währenden Bedeutung für den Abbau von Erzen, besonders von Zinn und Silber. Die adligen Herren, in deren Auftrag das Schürfen und die kunsthandwerkliche Verarbeitung geschah, wurden im Laufe der Zeit zunehmend wohlhabender. Doch einfach war es nicht, diesen Reichtum zu schützen. Räuberbanden und verfeindete Adelssippen blickten begehrlich auf die Quellen des Wohlstandes, die ständig vor fremdem Zugriff geschützt werden mussten. Zu den für diesen Zweck erbauten Wehranlagen gehört auch die Burg Scharfenstein.
Für die Anlage von Burgen waren Flussläufe, wie die Zschopau, ein idealer Bauplatz, bildeten sie in Verbindung mit einem Felsplateau doch bereits wichtige natürliche Annäherungshindernisse, die die Baumeister vergangener Jahrhunderte immer intensiv auszunutzen verstanden. Häufig war es nur noch notwendig, eine Seite mit Gräben, Brücken und festen Mauern zu sichern. Auch in Scharfenstein ist es nicht anders.
Die romantisch im Tal der Zschopau, auf einem Felsen hoch über dem Fluss, gelegene "Erlebnisburg" diente dem Schutz des Zinn- und Silberbergbaus. Eine genaue Entstehungszeit ist nicht bekannt. Wissenschaftliche Untersuchungen datieren ihre Anlage jedoch in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt der heute noch vorhandene 17 m hohe und 3 m dicke Bergfried - er ist begehbar und von seiner Plattform aus hat man eine herrliche Sicht ins Tal. Ebenso aus dieser Zeit stammt die Palasruine. Beide, Palasruine und Bergfried, prägen das Bild der Burganlage und vermitteln den Charakter ehemaligen trutzigen Rittertums. Die später errichteten Bauteile gruppieren sich ringförmig um diesen Kernbereich.
Dem Bau der Burg folgte die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1349. Zu dieser Zeit unterstand das Gebiet an der Zschopau den Herren von Waldenburg. Gesichert durch steile Hänge und einen Halsgraben war die Burg nahezu unangreifbar.
1492 übernahmen die Herren von Einsiedel die Burg und besaßen sie bis 1931 ununterbrochen als Familienbesitz. Im 13. Jahrhundert nach Sachsen gekommen, erwarb das Adelsgeschlecht zahlreiche Besitzungen. Unter ihnen kam es zum Umbau der Burg Mitte des 16. Jahrhunderts, dem verheerenden Brand 1921 und dem anschließenden Wiederaufbau 1921-23 nach alten Bauplänen. Dabei verschuldete sich Graf Kurt Haubold Alexander von Einsiedel so stark, dass der Familienbesitz versteigert werden musste.
Am Renaissanceportal aus dem 17. Jahrhundert erkennt man das Allianzwappen der Herrschaft von Einsiedel und von Ponickau. Eine Brücke überquert den tiefen Halsgraben. Der Südflügel ist im gotischen Stil gestaltet, während der Nordflügel Renaissancecharakter trägt. Der Ostgiebel ist mit Schlingrippen und Vorhangbogenfenstern aus dem 16. Jahrhundert verziert.
Ab 1945 erlebte die Burg die verschiedensten Nutzungsarten: Notunterkunft, Bergbauschule der SDAG Wismut, Parteischule der SED, Kinderheim, Kindererziehungsheim und Jugendwerkhof.
Um viele alte Gemäuer ranken sich die unterschiedlichsten Sagen und Geschichten. Auch Scharfenberg nimmt sich da nicht aus.
Eine solche besondere Begebenheit ist die Belagerung der Burg durch Karl Stülpner (1762-1841), dem erzgebirgischen "Sohn der Wälder". Der 1762 in Scharfenstein geborene und auch dort verstorbene Stülpner avancierte zum Anwalt der Armen. Die Obrigkeit konnte ihn trotz hoher Kopfgeldprämien nicht fassen, die einfachen Menschen schützten und verbargen ihn.
Stülpner, der als 7. Kind eines armen Mahlburschen zur Welt kam, lehnte sich 1794 gegen die Obrigkeit und vor allem gegen die feudalen Jagdgesetze auf. Er wurde zum Raubschütz, wie ihn die Adligen nannten, denen das Jagdrecht allein gehörte. Die Bauern im Erzgebirge litten damals sehr unter dem Wildreichtum. So war es ihnen recht, wenn Stülpner Wildschweine, Hirsche und Hasen schoss und ihnen das Fleisch und die Felle übergab.
Am 12. Oktober 1795 belagerte er mit Gleichgesinnten die Burg und jagte den damaligen Besitzern einen gehörigen Schrecken ein. Danach wurde er steckbrieflich gesucht. Verarmt und fast erblindet nahm ihn 1839 seine Heimatgemeinde wieder auf. In Scharfenstein steht ein Gedenkstein an der Stelle, an der sich Stülpners Geburtshaus befand. Sein Sterbehaus, Karl-Stülpner-Weg 12, trägt eine Gedenktafel. Stülpners Grab befindet sich auf dem Friedhof im benachbarten Großolbersdorf. Noch immer ist Karl Stülpner ein erzgebirgischer Volksheld.
Heute hat in der Burg Scharfenstein die traditionelle und moderne Volkskunst aus dem Erzgebirge eine Heimstatt gefunden. Nussknacker, Räuchermännchen und Lichterbögen entführen den Besucher in eine wunderbare Weihnachtswelt. An die Entstehungsgeschichte des erzgebirgischen Kunsthandwerks in den spärlich beleuchteten Stuben langer Winterabende soll das Motto dieses in seiner Art in Sachsen einmaligen "Erlebnismuseums" erinnern: "Die Sehnsucht nach dem Licht !". Das Besondere daran: Sie können viele Ausstellungsstücke im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen, anfassen, bewegen, fühlen und im Bastelzentrum selbst ihr Geschick versuchen. Darüber hinaus hat man dem legendären Volkshelden Karl Stülpner eine eigene Ausstellung gewidmet.

Schloss Wolkenstein


Von der Burg Scharfenstein zum Schloss Wolkenstein sind es nur ein paar Kilometer. Wolkenstein gehört zu den ältesten Siedlungen im oberen Erzgebirge. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das gesamte Erzgebirge bis in seine Kammlagen planmäßig durch umfangreiche Rodungen erschlossen. Die Siedlungsbewegung führte der im Dienste der zentralen Reichsgewalt, des Kaisers, stehende niedere Adel. Die wirtschaftliche Erschließung des Landes trugen die zugewanderten Bauern. Durch die zahlreichen Silber- und Zinnfunde entwickelte sich Wolkenstein zu einer bedeutenden Bergstadt.
Archäologische Funde beweisen, dass die Burg im Zuge der Kolonisation des Erzgebirges nach der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand; urkundlich wird Wolkenstein aber erst 1241 genannt. Die Burg war an einen mittelalterlichen Fernweg gebunden, der von Waldenburg über Wolkenstein bis nach Prag verlief. Die Furt durch die Zschopau deckte die Burg Wolkenstein auf einem Felssporn, der unmittelbar am rechten Zschopauufer über 70 m hoch "in die Wolken" ragt.
Die Wehranlage entwickelte sich zum Mittelpunkt einer bedeutenden Herrschaft, in der die Reichsministerialen von Waldenburg die Kolonisation und das Schürfen von Silbererz förderten. In deren Händen befand sich der Feudalbezirk bis zum Jahre 1479.
Da die auf Wolkenstein sitzenden Waldenburger keine erbberechtigten Nachkommen mehr hatten, war es für die Wettiner ein willkommener Anlass, ihren Machtbereich auszudehnen. Wolkenstein fiel ihnen als erledigtes Lehen zu und wurde landesfürstliches Amt. Nach 1500 erfolgte auf den Grundmauern der alten Wehranlage der Umbau zum Wohnschloss durch die neuen Besitzer, so dass von der alten Bausubstanz fast nichts mehr zu sehen ist. Zwischen 1505 und 1539 diente das Schloss Herzog Heinrich zeitweilig als Residenz und Jagdschloss.
Mit der Ernennung zum Kurfürsten verließ Herzog August die Burg und besuchte sie nur hin und wieder, wenn er in den erzgebirgischen Wäldern zur Jagd war. Über viele Jahre hinweg blieb das Schloss unbewohnt und verfiel. 1754 musste gar ein Teil des Turmes wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Erst in den Jahren 1834-46 erfolgte ein Umbau und die Einrichtung eines Verwaltungszentrums mit Justizanstalt und Wohnungen für die Beamten. Bis 1951 beherbergte das Gebäude das Amtsgericht und die Strafanstalt.
Im spätgotischen Südflügel richtete man 1962 das Natur- und Heimatkundemuseum ein. Das Museum informiert die Besucher über die Geschichte des Schlosses und der Stadt Wolkenstein. Alljährlich zum Himmelfahrtstag lockt das traditionelle Burgfest tausende Besucher in die Stadt. Umzüge, Gaukler, Sänger, Landsknechte und Soldaten versetzen die Gäste um Jahrhunderte zurück.
Im Zusammenhang mit der Burg ist auch die Entwicklung der Stadt zu sehen, für die es offenbar keinen dörflichen Vorläufer gab. Der Besucher erreicht das Zentrum über eine steinerne Brücke, die schon 1770 den Fluss überspannte. Der historische Stadtkern mit dem altehrwürdigen Schloss, der St.-Batholomäus-Kirche, einer Postmeilensäule von 1730, den Resten der Stadtmauer und ihre Entwicklung als oppidum mit Münzstätte erinnern noch heute an die frühe Bedeutung des Amtssitzes Wolkenstein.

Schloss Schlettau


Zum Abschluss der Tour fahren wir noch ein paar Kilometer weiter in Richtung Süden und erreichen hinter Annaberg-Buchholz die kleine Stadt Schlettau mit ihrem Schloss aus dem 12. Jahrhundert. Das Auto kann man im Innenstadtbereich abstellen und die wenigen Meter zum Schloss zu Fuß zurücklegen.

Eine der ältesten Ansiedlungen im oberen Erzgebirge ist das kleine Städtchen Schlettau. Die tief in die Vergangenheit verwurzelte, wechselvolle Geschichte Schlettaus ist allgegenwärtig. Eine Postmeilensäule aus der Zeit des Kurfürstentums Sachsen im 18. Jahrhundert bekundet die wichtigen Verkehrswege, die durch die Stadt führten.
Stolzes Schmuckstück der Stadt ist jedoch das Schloss. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als Wasserburg erbaut, schützte es bereits vor 800 Jahren die alte Salzstraße von Halle nach Böhmen. Durch die Stadt verläuft seit dem 15. Jahrhundert die Silberstraße, welche noch heute vom erworbenen Reichtum durch die Erzförderung zeugt. Alte Zeugnisse weisen auf Günther von Crimmitschau als Schlossherrn hin, der im 13. Jahrhundert die Besiedlung der Gegend unterstützte und nahe dem Schloss das Klösterlein St. Petri gestiftet haben soll, welches jedoch nicht lange bestand.
Das ursprüngliche Kastell wurde wohl vor 1200 errichtet. In einer zweiten Bauphase fügte man im 13. Jahrhundert einen Wohnturm hinzu und vervollständigte das Bauensemble im Laufe des 14. Jahrhunderts durch einen Palas, der mit dem Wohnturm durch einen Übergang verbunden war.
Als böhmische Passbefestigung und Grenzburg gegen die Mark Meißen besaß Burg Schlettau eine große Bedeutung. So verwundert es nicht, dass 1351 Kaiser Karl IV. zwei Adligen von Schönburg die Herrschaft Schlettau ausdrücklich als böhmisches erbliches Lehen bestätigte.
Von 1413 bis nach der Reformation gehörte das Schloss vorwiegend dem auch ökonomisch mächtigen Zisterzienserkloster Grünhain, dessen Abt Paulus Morgenstern es um 1500 zu einer spätgotischen Residenz umbauen ließ. Mit der Einführung der Reformation und der Auflösung des Klosters Grünhain 1536 ging der Besitz aber endgültig in das Kurfürstentum Sachsen über.
Von Anfang des 17. Jahrhunderts bis 1796 waren Schloss und Herrenhaus kurfürstlich sächsisches Jagdschloss und Oberforst- und Wildmeisterei, wofür es im barocken Stil umgebaut wurde. Die nachfolgenden Jahre diente Schloss Schlettau der industriellen Produktion. Nach einer Baumwollspinnerei restaurierte der Fabrikbesitzer Carl Naumann um 1900 das teilweise verfallene Schloss im neogotischen Stil und betrieb im Park eine Landmaschinenfabrik. Seit 1930 ist im Schloss ein Museum eingerichtet.
Das schöne Schloss und das benachbarte Herrenhaus liegen in einem romantischen Park, dessen alte Linden und Tannen sich in zwei Teichen spiegeln.
Das Kleinod des Schlosses ist der Rittersaal mit wertvoll geschnitzten Wandtäfelungen, schöner Balkendecke und geschmückten Türumrandungen zu Treppenturm und Altan. In der Posamentenwerkstatt im Herrenhaus werden neben vielen kunstvollen Posamenten die Arbeits- und Lebensbedingungen der erzgebirgischen Posamentierer im 19. Jahrhundert gezeigt.

Wer jetzt noch etwas Zeit hat, sollte sich einen Stadtrundgang nicht entgehen lassen.

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