Beschreibung
An der Silberstraße, nördlich der Stadt Annaberg-Buchholz, liegt die alte Bergstadt Wolkenstein. Wolkenstein gehört zu den ältesten Siedlungen im oberen Erzgebirge. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das gesamte Erzgebirge bis in seine Kammlagen planmäßig durch umfangreiche Rodungen erschlossen. Die Siedlungsbewegung führte der im Dienste der zentralen Reichsgewalt, des Kaisers, stehende niedere Adel. Die wirtschaftliche Erschließung des Landes trugen die zugewanderten Bauern. Durch die zahlreichen Silber- und Zinnfunde entwickelte sich Wolkenstein zu einer bedeutenden Bergstadt.
Archäologische Funde beweisen, dass die Burg im Zuge der Kolonisation des Erzgebirges nach der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand; urkundlich wird Wolkenstein aber erst 1241 genannt. Die Burg war an einen mittelalterlichen Fernweg gebunden, der von Waldenburg über Wolkenstein bis nach Prag verlief. Die Furt durch die Zschopau deckte die Burg Wolkenstein auf einem Felssporn, der unmittelbar am rechten Zschopauufer über 70 m hoch "in die Wolken" ragt.
Die Wehranlage entwickelte sich zum Mittelpunkt einer bedeutenden Herrschaft, in der die Reichsministerialen von Waldenburg die Kolonisation und das Schürfen von Silbererz förderten. In deren Händen befand sich der Feudalbezirk bis zum Jahre 1479.
Da die auf Wolkenstein sitzenden Waldenburger keine erbberechtigten Nachkommen mehr hatten, war es für die Wettiner ein willkommener Anlass, ihren Machtbereich auszudehnen. Wolkenstein fiel ihnen als erledigtes Lehen zu und wurde landesfürstliches Amt. Nach 1500 erfolgte auf den Grundmauern der alten Wehranlage der Umbau zum Wohnschloss durch die neuen Besitzer, so dass von der alten Bausubstanz fast nichts mehr zu sehen ist. Zwischen 1505 und 1539 diente das Schloss Herzog Heinrich zeitweilig als Residenz und Jagdschloss.
Mit der Ernennung zum Kurfürsten verließ Herzog August die Burg und besuchte sie nur hin und wieder, wenn er in den erzgebirgischen Wäldern zur Jagd war. Über viele Jahre hinweg blieb das Schloss unbewohnt und verfiel. 1754 musste gar ein Teil des Turmes wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Erst in den Jahren 1834-46 erfolgte ein Umbau und die Einrichtung eines Verwaltungszentrums mit Justizanstalt und Wohnungen für die Beamten. Bis 1951 beherbergte das Gebäude das Amtsgericht und die Strafanstalt.
Im spätgotischen Südflügel richtete man 1962 das Natur- und Heimatkundemuseum ein. Das Museum informiert die Besucher über die Geschichte des Schlosses und der Stadt Wolkenstein. Alljährlich zum Himmelfahrtstag lockt das traditionelle Burgfest tausende Besucher in die Stadt. Umzüge, Gaukler, Sänger, Landsknechte und Soldaten versetzen die Gäste um Jahrhunderte zurück.
Im Zusammenhang mit der Burg ist auch die Entwicklung der Stadt zu sehen, für die es offenbar keinen dörflichen Vorläufer gab. Der Besucher erreicht das Zentrum über eine steinerne Brücke, die schon 1770 den Fluss überspannte. Der historische Stadtkern mit dem altehrwürdigen Schloss, der St.-Batholomäus-Kirche, einer Postmeilensäule von 1730, den Resten der Stadtmauer und ihre Entwicklung als oppidum mit Münzstätte erinnern noch heute an die frühe Bedeutung des Amtssitzes Wolkenstein.
Historisches Sachsen - Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen - © by Heyko Dehn - www.heykodehn.de
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