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Beschreibung
Der Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann und der Bildhauer Balthasar Permoser haben für Sachsens Kurfürst August den Starken ein weltberühmtes Kunstwerk barocker Architektur geschaffen: den Dresdner Zwinger - ursprünglich aus Holz als Festplatz für die Hofgesellschaft errichtet.
Der Name Zwinger stammt aus der Festungsbaukunst des späten Mittelalters. So bezeichnete man den Freiraum zwischen der äußeren und der inneren Wehrmauer. Wurde dort der Feind nicht bezwungen, stand die Eroberung der Stadt bevor.
1709 erhielt Pöppelmann den Auftrag, am Wall eine Orangerie zu errichten. Aus Anlass der Vermählung des Kurprinzen Friedrich August mit der Erzherzogin Maria Josepha fehlte jedoch ein geeigneter "Spielplatz". So wurden drei Seiten des 204 m langen und 116 m breiten Hofes zwischen 1711 und 1728 durch ein- und zweistöckige Galerien geschlossen und durch reichgegliederte Pavillons miteinander verbunden. Später baute man auch die Nordseite mit der Gemäldegalerie zu. Für große höfische Feste und Spiele sollte der Zwinger fortan dienen.
Nach dem Tode Kaiser Josephs I. übernahm August der Starke 1711 das Amt des Reichsvikars. Zu dieser Zeit trieb er den Zwingerbau besonders energisch voran, denn er liebäugelte mit der Kaiserkrone. Als dieser Traum zerrann, ließ sein Interesse nach, zumal Sachsens Ressourcen begrenzt waren. Ein weiterer Grund für die preisgegebene Vollendung des Zwingers lag in einer neuen Bauauffassung: Die Zeit des Barocks war vorüber. Der Zwinger verwandelte sich 1728 in ein Haus der Kunstsammlungen und der Bibliothek.
Schwere Schäden waren 1813 und im Revolutionsjahr 1849 zu verzeichnen und nach dem schwärzesten Tag in Dresdens Geschichte, im Februar 1945, schien der Zwinger verloren. Dennoch wagte man 1946-64 den mühsamen Wiederaufbau, der anhand alter Baupläne und Fotografien hervorragend gelang.
Das Karree des Zwingers mit seinen Pavillons, Brunnen und dem zentralen Festplatz zeigt sich am besten bei einem Rundgang über die im ersten Stock gelegenen und reich geschmückten Balustraden.
Mit seinem ovalen Festsaal ist der Wallpavillon (1716-17) im Nordwesten das Prunkstück der Zwinger-Architektur. Über dem Wappengiebel an der Hoffront thront Herkules als Atlas mit der Weltkugel. Auch August der Starke ist vertreten: als Paris mit der polnischen Königskrone statt eines Apfels in der Hand, umgeben von Hera, Athene und Aphrodite, den Göttinnen der Macht, Weisheit und Liebe.
Neben dem Wallpavillon versteckt sich das Nymphenbad, eine lieblich verspiele Brunnenanlage mit Nischen, Treppen, Wasserspielen und Skulpturen.
Gegenüber dem Wallpavillon erklingen im spiegelgleichen Glockenspielpavillon Melodien auf 40 Glocken aus Meißner Porzellan. Das ursprünglich schon von Pöppelmann vorgesehene Glockenspiel gelangte jedoch erst 1930 in den Pavillon.
In der Südecke des Zwingers zeigt die von August dem Starken gegründete Porzellansammlung mehr als 20.000 Exponate. August der Starke hatte 1710 begonnen, Porzellan für ein geplantes Porzellanschloss zu sammeln. Zu sehen sind vor allem chinesische und japanische Porzellane sowie Kostbarkeiten aus Meißen.
Im Mathematisch-Physikalischen Salon (1712-16) werden alte Apparate und Instrumente - darunter ein arabischer Himmelsglobus aus dem 13. Jahrhundert und die Sammlung von Uhren aus fünf Jahrhunderten - ausgestellt.
Das zwischen beiden Sammlungen liegende und mit Skulpturen reich geschmückte Kronentor von 1714-18 ist als Zentrum der Längsgalerien mit seiner charakteristischen Silhouette zu einem Symbol der Stadt Dresden geworden. Ein nach allen vier Seiten offenes Obergeschoss besitzt eine geschwungene Kuppel, die von einer Königskrone und vier polnischen Adlern gekrönt wird.
Die Brunnenanlage im Zwingerhof geht auf Intention Pöppelmanns zurück. Dessen nichtausgeführte Vorschläge verwirklichten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Geschlossen wurde der ursprünglich zur Elbe offene Zwinger von Gottfried Semper durch einen 1847 bis 1855 errichteten zweigeschossigen Galeriebau. Er nimmt die Gemäldegalerie auf, die heute die weltberühmte Sammlung "Alte Meister" beherbergt - eine der bedeutendsten Kunstsammlungen überhaupt - mit Werken von Dürer, Holbein, Cranach, Raffael, Tizian und vielen anderen. In der "Augusteischen Zeit" erwarb der Hof 4.000 Gemälde, ausschließlich Originale; dazu gesellten sich zahlreiche Aufträge. Zu den bekanntesten Werken gehört u.a. Raffaels „Sixtinische Madonna“ von 1516.
Auch die Rüstkammer (Historisches Museum) im Ostflügel der Sempergalerie ist sehenswert. Sie umfasst eine Sammlung kostbarer Harnische, Blank- und Feuerwaffen. Zu den bekanntesten der insgesamt 15.000 Exponate zählen das Kunstschwert Friedrichs des Streitbaren (1425), das Krönungsornat Augusts des Starken (1697) und der Prunkharnisch für Mann und Ross (1562-64) von Eliseus Libaerts für den schwedischen König Erik XIV. Der Dresdner Hof erwarb den Harnisch 1606. Getragen hat ihn Kurfürst Christian II.
Der heutige Anblick des Zwingers lässt leicht vergessen, dass dieses bedeutende Bauwerk in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 fast vollständig zerstört worden war. Dennoch wagten sich hervorragende Restauratoren an dessen Wiedererrichtung.
Auch der Zahn der Zeit erfordert regelmäßige Ausbesserungen. Ständig wird etwas erneuert, und trotzdem wirken viele Bereiche des Zwingers mit seinem dunklen Sandstein so, als sei er immer noch verwittert und rußgeschwärzt.
Diese Färbung geht auch zu Lasten der plastischen Erscheinung der Oberfläche. Während beim hellen Stein die filigranen Muster der Figuren schon von weitem zu erkennen sind, lässt der einheitlich dunkle Stein diese Vielfalt vermissen. Doch mit diesem dunkle Überzug schützt sich der Sandstein selbst gegen Verwitterung, indem er Wasser und Umwelteinflüsse abweist.
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Stand: 01.11.2009