Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Gautzsch   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Gautzsch, südlich an das Stadtgebiet von Leipzig angrenzend, ist slawischen Ursprungs. 1934 schlossen sich die Gemeinden Gautzsch und Oetzsch-Markkleeberg zu einem neuen Ort zusammen. Die Stadt erhielt den Namen Markkleeberg, da die aus der Zeit slawischer Besiedlung stammenden Ortsnamen Gautzsch und Oetzsch nicht in das politische Konzept der damaligen Zeit passten. Auch wenn heute der ehemalige Ort Gautzsch als Markkleeberg-West bekannt ist, wird der alte Ortsname doch noch vielfach verwendet. Insbesondere verbindet man mit ihm den Kees'schen Park unweit des Cospudener Sees, der aus einem in den 1990er Jahren gefluteten Tagebaurestloch des Braunkohletagebaus Cospuden entstanden ist.
Ursprung des Rittergutes Gautzsch ist eine Wasserburg aus dem 11. Jahrhundert. Die älteste Erwähnung eines Herrensitzes des Ranuoldus de Kutez stammt jedoch erst aus dem Jahr 1216. Gautzsch war in der frühen Zeit eng mit Knauthain und Großzschocher verbunden, die um 1349 von Otto und Tam von Pflugk erworben wurden. 1543 kam Gautzsch an die Familie von Gehofen auf Zöbigker, in deren Hand der Besitz bis 1586 bleiben sollte. In diesem Jahr ging das Rittergut an die Familie von Dieskau über. Die Familie von Dieskau war ein meißnisches Adelsgeschlecht aus dem gleichnamigen Ort Dieskau im heutigen Saalekreis. Die Herren von Dieskau standen als Kammerherren, fürstlich-bischöfliche Berater, Hofmarschalle u.a. Ämter im Dienst der Erzbischöfe von Magdeburg, der Bischöfe von Merseburg und der sächsischen Kurfürsten. Neben ihrem Stammsitz in Dieskau erwarben sie weitere Güter in Knauthain, Großzschocher, Kitzen, Zschepplin, Gautzsch und anderen Orten. Unter dem kurfürstlich-sächsischen Kammerherrn Otto von Dieskau erfolgte in den 1670er Jahren ein Umbau des Herrenhauses durch den Leipziger Ratsmaurermeister Christian Richter. Nach den Herren von Dieskau übernahm der Leipziger Kaufmann und Ratsherr Wolfgang Jöcher das Anwesen. Jöcher ließ den Herrensitz nach Plänen des sächsischen Landbaumeisters David Schatz umbauen und einen prächtigen Barockgarten mit umschließendem Wassergrabensystem anlegen. Nach seinem Tod 1728 ging der Besitz durch zahlreiche bürgerliche Hände.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam das Gautzscher Gut in den Besitz der Familie Kees aus Zöbigker, die bis heute dem weitläufigen Park ihren Namen geben. Besondere Bedeutung erlangte Walter Kees, der den Hof 1885 erbte. Unter Kees wurde das bis dahin landwirtschaftlich genutzte Rittergut der aktuellen Mode entsprechend neu gestaltet und der Garten zu einem englischen Landschaftsgarten umwandelt. Dazu ließ er die barocken Wirtschaftsgebäude abtragen und Mausoleum, diverse Brücken und Pavillons entstehen, eine hundert Meter lange, halbkreisförmige Orangerie mit Palmenhaus hinzufügen und den Park mit Blumenschalen, Statuen und Bänken sowie historischen Toren in der umgebenden Mauer schmücken. Auch der Eiskeller bekam sein üppig dekoriertes neobarockes Portal. Schon Walter Kees verkaufte nach 1900 einige Teile des Rittergutes an verschiedene Interessenten. Als der umtriebige Mann 1906 starb, konnten seine Witwe und die Kinder das kostspielige Anwesen nicht mehr halten und veräußerten es während des Zweiten Weltkrieges an die Stadt Leipzig; Markkleeberg behielt jedoch die Nutzungshoheit.
Zunächst quartierten sich verschiedene Wehrmachtseinheiten in dem lukrativen Objekt ein. Nach dem Ende des Krieges bestimmten die Amerikaner das Herrenhaus zum Krankenhaus, wobei umfangreiche An- und Umbaumaßnahmen die historische Bausubstanz stark veränderten. Das Krankenhaus wurde 1992 geschlossen. Verfall und Vandalismus zogen ein. Erst mit dem Erwerb des Parks durch einen privaten Investor konnten Hoffnungen der Stadtplaner auf eine langfristig gesicherte Nutzung der Parkanlage und ihrer Gebäude erfüllt werden. Im Zuge der gartenpflegerischen Maßnahmen ab 2004 wurden auch die Krankenhausruine und weitere dazugehörige Bauten beseitigt sowie Sanierungen der danach noch bestehenden Bausubstanz vorgenommen. An den Herrensitz erinnert heute u.a. noch der Mittelbau der Orangerie, die Anlage um den ehemaligen Springbrunnen, der Eiskeller mit seinem Schmuckportal, das Adlertor, Torhäuser am südlichen Parkeingang, zwei Brücken, eine vom Equipagenweg zum Park führende Lindenallee und Reste des historischen Wassergrabensystems.
Wichtigstes Gebäude des Rittergutes war das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Der dreigeschossige, neun Fensterachsen breite Bau trug ein Walmdach mit Traufgesims und eine Putzfassade mit einfacher Putzgliederung, die im 18. und 19. Jahrhundert mehrfach verändert wurde. Spätere entstellende An- und Umbauten fügten dem Gebäude großen Schaden zu. Unmittelbar hinter dem Herrenhaus beeindruckt das Portal des Eiskellers mit Pilastern und aufwendig gestaltetem Volutengiebel sowie im oberen Giebelfeld eine von zwei Putten gehaltene Kartusche.
Das Grundgerüst der ca. 10 ha großen Parkanlage bildet der Garten aus dem 18. Jahrhundert. Durch Walter Kees wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine umfangreiche Neugestaltung vorgenommen. In den vorhandenen Strukturen des Ringgrabens wechseln sich große Rasenflächen und breite Wege mit malerisch gestalteten Baumgruppen ab. Markantestes Gebäude war die hundert Meter lange Orangerie mit ihrer geschwungenen Fassade. Der Mitteltrakt der neobarocken Orangerie, oft auch als Palmenhaus bezeichnet, ist heute noch vorhanden. Die in hellen Tönen gehaltene Putzfassade weist Eckpilaster mit Kompositkapitellen auf. An der Südfassade befinden sich eine Serliana mit aufwendig stuckierten Türverdachungen. Davor stehen ruinöse Sockel für zwei Statuen. Der Pavillon ist heute der Sitz der Parkverwaltung.
Von der historischen Bebauung ist weiterhin das Adlertor am Nordzugang sehenswert. Die Toranlage besteht aus dem zehn Meter hohen Torbogen mit kannelierten Säulen und zwei prunkvollen schmiedeeisernen Torflügeln. Über dem Wappen im gesprengten Giebel fehlt jedoch die namensgebende Adlerfigur. Beidseitig vom Torbogen schließen sich Wandstücke mit Putzfeldern und aufgesetzten Schmuckvoluten an.
 
Bildergalerie
Mittelteil der Orangerie
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